Interview: Quentin Tarantino zu zu The Hateful 8 | FILMREPORTER.de
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Interview

Quentin Tarantino wirbt in Berlin für "The Hateful 8"
Probleme mit "The Hateful 8"

Quentin Tarantino unbeirrt

Quentin Tarantinos "The Hateful 8" kommt in der Vorproduktionsphase nicht aus den Puschen. Erst wird das Drehbuch zum Western veröffentlicht. Dann verärgert der Regisseur und Drehbuchautor die umstrittene US-Polizei, als er gegen deren Gewaltexzesse protestiert. Im Interview mit Filmreporter.de spricht der 52-Jäherige über den Aufsehen erregenden Leak und den Konflikt mit den Gesetzeshütern, deren Gewerkschaften ihn vor dem Kinostart von "The Hateful 8" massiv unter Druck setzen.
Von  Julia Manfredi, Filmreporter.de,  3. Februar 2016

Kurt Russell, Jennifere Jason Leigh und Quentin Tarantino auf der "Hateful 8"-Premiere

Kurt Russell, Jennifere Jason Leigh und Quentin Tarantino auf der "Hateful 8"-Premiere

Das steigert die Intimität
Ricore Text: Mr. Tarantino, Sie haben "The Hateful 8" in Ultra Panavision auf 70-mm-Film gedreht. Macht dieses Format den Film besser?

Quentin Tarantino: Ich kann mich noch an die Reaktion erinnern, als bekannt wurde, dass ich den Film in diesem Format drehen will. Es wurde spekuliert: Okay, das klingt gut, aber warum macht er das mit einer Technik, die sich doch vor allem für Naturaufnahmen, Bergszenen und so weiter eignet. Ich dachte, wenn ich es in einem Film verwende, der in einem Blockhaus spielt, dann versetze ich den Zuschauer gleichsam in diesen Raum. Er befindet sich mitten zwischen den Figuren, kommt ihnen nahe. Das steigert die Intimität. Der andere Grund, wieso ich mich für dieses Format entschieden habe, ist die Tatsache, dass im Bild immer zwei Handlungen stattfinden: das Geschehen im Vordergrund und das im Hintergrund. Als Zuschauer ist man gezwungen, aufzupassen, wo sich welche Figur befindet, als würde man Figuren auf einem Schachbrett beobachten.

Ricore: Hatten Sie Probleme im Umgang mit dieser Technik?

Tarantino: Den einzigen Nachteil, den ich anfangs fühlte, war die Tatsache, dass wir keine Zoom-Linsen benutzen konnten. Ich hatte mich zu sehr an sie gewöhnt. Andererseits hatte es auch einen gewissen Reiz, nicht auf das zurückgreifen zu können, was man kennt, sondern neue Wege zu gehen.

Ricore: Als Filmemacher haben Sie es vor allem mit der Geschichte. Sei es, dass Sie Erzählkonventionen aus der Vergangenheit aufgreifen oder ihre Filme in einer vergangenen Epoche angesiedelt sind. Können Sie sich vorstellen, Ihren persönlichen Stil auch auf andere Genres als Western und Gangsterdramen auszuweiten?

Tarantino: Das ist eine sehr interessante Idee. So wurde mir dieser Vorschlag noch nicht unterbreitet. Normalerweise spricht man über das Science-Fiction-Genre im Allgemeinen. Dabei denke ich gewöhnlich an Menschen in Raumschiffen. Hierin liegt tatsächlich nicht mein dramatisches Interesse. Was Sie aber implizieren, finde ich interessant. Daran habe ich zugegebenermaßen noch nicht gedacht, dass man sich nämlich mit der einer zukünftigen Gesellschaft befassen kann, indem man diese aus einer noch entfernteren Zukunft reflektiert.

Ricore: Reflektieren Ihre 'Vergangenheits'-Filme die Gegenwart?

Tarantino: Ich glaube, es gibt kein anderes Genre, dass sich im Subtext eingehender mit Amerika befasst hat als das Western-Genre in den unterschiedlichen Jahrzehnten. In den 1950er Jahre transportieren die Filme Eisenhowers Vorstellung von der Einzigartigkeit Amerikas. In den 1970er Jahren hatten sie eine sehr zynische Sicht auf das Land.

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