Salzgeber & Co. Medien
Marlene Dietrich
Hitchcock statt Goebbels: Marlene Dietrich
Retro Feature: Weltstar mit Ecken und Kanten
'Hier steh ich an den Marken meiner Tage' dichtet der Dramatikers Carl Theodor Körner in seinem Sonett. Zeitlebens agitierte er als Kämpfer für die Freiheit und gegen die napoleonische Fremdherrschaft in Deutschland. Der Vers dient auch als Inschrift des Grabsteins eines ungewöhnlichen deutschen Weltstars. Ähnlich wie Körner gleicht das Leben von Marlene Dietrich einem nicht enden wollenden Kampf gegen äußere und innere Widerstände. Im eigenen Land nach dem 2. Weltkrieg als Verräterin gebrandmarkt, wird sie außerhalb Deutschlands sowie von der deutschen Intelligenz als Leinwandgöttin verehrt.
erschienen am 25. September 2022
Salzgeber & Co. Medien
Marlene Dietrich - Her Own Song
Ein unmoralisches Angebot
Die gebürtige Schönebergerin Marie Magdalene Dietrich ist der erste deutsche Filmstar, der Hollywood erobert. Sie dreht mit Sir Alfred Hitchcock, Ernst Lubitsch, Orson Welles und Billy Wilder, um nur einige der Regietitanen zu nennen. Mit einem Zeitgenossen will sie zeitlebens nichts zu tun haben. Als NS-Propagandaminister Joseph Goebbels der Diva 1936 ein Angebot zur Rückkehr nach Nazideutschland macht, lehnt diese empört ab. Auch Rekordgagen und die Zusicherung der freien Auswahl von Drehbuch und Mitarbeitern können sie nicht umstimmen. Im Gegensatz zu vielen anderen prominenten deutschen Künstlern ihrer Zeit, behält die Dietrich ihre weiße Weste und bleibt moralisch auf der richtigen Seite!
Salzgeber & Co. Medien
Marlene Dietrich
Ans Bett gefesselt
Zeitlebens strickt sie an ihrer eigenen Legende. Mit elf Jahren gibt sie sich den Vornamen Marlene und verschweigt geflissentlich erste Stummfilmrollen, bis sie vom anerkannten Theaterregisseur Max Reinhardt ihr erstes Bühnenengagement erhält. Als sie am 6. Mai 1992 mit 90 Jahren in Paris verstirbt, hat sie ihr Bett bereits elf Jahren nicht mehr verlassen. Kontakt mit der Außenwelt hält sie nur übers Telefon oder über ihre Tochter Maria Riva. Mithilfe eines mechanischen Greifarmes holt sie sich die Dinge des täglichen Bedarfs an ihre Schlafstelle in der Avenue Montaigne 12. Von dem Tabletten- und Alkoholsuchtkonsum gezeichnet erleidet sie dort ihren zweiten Schlaganfall in dessen Folge Herz und Nieren versagen. So lautet die offizielle Version. Gerüchten zufolge stirbt sie an einer Überdosis Schlaftabletten.
Neue Illustrierte
Gewohnt selbstbewusst wickelt der deutsch Vamp Marlene Dietrich die Männer um den Finger.
Dietrich wird zum Engel
Von diesen Ereignissen ahnt niemand etwas, als Regisseur Josef von Sternberg gut 60 Jahre zuvor, für die weibliche Hauptdarstellerin des ersten deutschen Tonfilms, auf die ambitionierte Nachwuchsschauspielerin setzt. "Der blaue Engel" nach der Romanvorlage von Heinrich Mann bedeutet für die Dietrich den Durchbruch als Filmschauspielerin. In der Rolle der verruchten Chansonnette Lola singt sie den Welthit "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt". Von dem Erstarken der NSDAP beunruhigt und angeekelt, kehrt sie kurz nach den ersten Erfolgen ihrer Heimat den Rücken und emigriert in die USA - genau wie ihr Freund und Mentor von Sternberg.
Süddeutsche Zeitung
Marokko - Herzen in Flammen
Überzeugte Antifaschistin
Die Zusammenarbeit der beiden Deutschen in Hollywood gipfelt 1930 mit der Oscarnominierung Dietrichs als Beste Hauptdarstellerin für die Rolle der Amy Jolly in "Marokko - Herzen in Flammen". Es wird ihre einzige Nominierung bleiben. Als Ausdruck ihrer Abneigung gegenüber den Nationalsozialisten nimmt sie 1939 die US-amerikanische Staatsbürgerschaft an. Von Paris aus unterstützt sie zahlreiche Fluchthelfer und aus Deutschland emigrierte Künstler. Ihr antifaschistisches Engagement geht so weit, dass sie amerikanische GIs im Kampf gegen Nazideutschland als Sängerin an der Kriegsfront unterstützt.

Ihre öffentlich geäußerte politische Haltung stößt im NS-Deutschland auf Unverständnis. Ihr Handeln richte sich nicht gegen das Hitler-Regime, sondern gegen den einfachen deutschen Soldaten, so der trotzige Tenor. Marlene Dietrich bekommt von konservativen und rechten Stimmen den Status einer 'Vaterlandsverräterin'. Die tiefe beiderseitige Kränkung sollte auch nach ihrem Ableben nachwirken. In der Nachkriegszeit erfährt sie die Ablehnung auch ganz persönlich. Während einer Tournee kommt sie 1960 nach langer Zeit wieder in ihr Geburtsland. Jubel und Anfeindungen zeugen vom ambivalenten Verhältnis der Deutschen zu Marlene Dietrich. Teile der Bevölkerung und Teile der konservativen Presse nehmen sie derart ins denunzierende Kreuzfeuer, dass sie angespuckt und mit Eiern beworfen wird. Sie wird zeitlebens nicht nie mehr zurückkehren.
Der Spiegel
Marlene Dietrich mit dem Journalisten Noel Whitcomb
Die Sängerin
Drei Jahre zuvor feiert sie als Christine Helm Vole in "Zeugin der Anklage" einen großen internationalen Erfolg. Darüber hinaus überzeugt sie 1961 als Witwe eines hingerichteten deutschen Generals an der Seite des jungen Maximilian Schell in "Das Urteil von Nürnberg". Es sollte ihr letzter großer Film sein. Seit Anfang der 1950er Jahre tritt Marlene Dietrich immer öfter als Sängerin in Erscheinung. Sie ist die erste deutsche Künstlerin, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Russland auftritt und auch die erste Sängerin, die sich traut, in Israel deutsche Texte auf einer Bühne zu singen und vom Publikum trotzdem akzeptiert werden. Die Zusammenarbeit mit dem Komponisten Burt Bacharach führt zu einer zweiten erfolgreichen Karriere. Ihre Vielseitigkeit wird vom Publikum sehr geschätzt. Kein Wunder, legten ihre Eltern schon in Kindertagen großen Wert auf die musikalische Ausbildung der kleinen Marie Magdalene.

Ihre Theaterkarriere beendet Marlene 1975 nach einem Oberschenkelhalsbruch bei einem Bühnenauftritt in Australien. Drei Jahre später folgt ihre letzte Filmrolle an der Seite von Rockstar David Bowie in "Schöner Gigolo, armer Gigolo". Nach den Dreharbeiten zieht sie sich vollständig aus der Öffentlichkeit zurück. Zeitlebens gilt die Dietrich als Inbegriff von Eleganz und Konsequenz, ein Nimbus der auch posthum wenig an Intensität eingebüßt hat. Auf dem Künstlerfriedhof in Berlin Friedenau findet sie nach langen Diskussionen schließlich doch die letzte Ruhe nach ihrem lebenslangen Kampf gegen das Böse - und sich selbst.
erschienen am 25. September 2022
Zum Thema
Manchen Schauspielerinnen gelingt es mit einer Rolle unsterblich zu werden. Marlene Dietrich gelang dieses Kunststück mit der Lola in Josef von Sternbergs "Der blaue Engel". Mit dem Regisseur, der sie auf Anhieb zum Star gemacht hatte, reist sie 1930 nach Amerika, wo sie fortan mit den großen Regisseuren und Schauspielern Hollywoods zusammen arbeitet. 1939 wird sie angesichts der Situation in Deutschland amerikanische Staatsbürgerin.

Ab den 1960er Jahren zieht sie sich vom Filmgeschäft..
Der blaue Engel (Kinofilm)
Der strenge Professor Rath (Emil Jannings) verliebt sich Hals über Kopf in die frivole Lola (Marlene Dietrich). Der Gymnasiallehrer verfällt der Sängerin mit Haut und Haaren. Dabei hat er ihre Vorstellung eigentlich nur besucht, um die kokette Dame von seinen "unschuldigen" Schülern fern zuhalten. Doch Liebe macht bekanntlich blind. Das von Josef von Sternberg inszenierte Melodram ist eine recht freie inzwischen legendäre Adaption von Heinrich Manns literarischer Satire "Professor Unrat" mit..
Weitere Retrofeatures
Heinz Erhardt - der Sprachjongleur
Schiffsjunge und Oscarpreisträger
2022