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Richard Angsts Bilder aus Japan
Malaria und tausende Meter Film

Richard Angst in Japan

Richard Angst hat schon die unwirtlichsten Gegenden der Welt bereist. Die letzte Reise des furchtlosen Kameramanns führte ihn nach Japan. 20 Monate verbrachte er im Land der aufgehenden Sonne. Herausgekommen sind mehrere Kilometer Filmmaterial.
Von  Ann-Catherin Karg/Filmreporter.de, 12. Juni 2012

Richard Angsts Bilder aus Japan

Richard Angsts Bilder aus Japan

Angst im rauchenden Krater
Im Zentrum der Dreharbeiten im Land der aufgehenden Sonne stand eben jener leuchtende Himmelskörper. Richard Angst ist dem Lauf der Sonne gefolgt und hat ihren Weg über das Firmament filmisch eingefangen. Das brachte der Film-Crew extreme Klimaschwankungen ein. So folgte Angst der Sonne bis auf den heiligen Berg Japans, dem Fujiyama. Dort wurde das Naturereignis bei eisiger Kälte und unter widrigsten Bedingungen gefilmt. In den Ebenen am Fuß des Berges stieg das Thermometer teilweise auf über 50 Grad Celsius. Um die Schminke nicht davon fließen zu lassen, legten sich die zumeist einheimischen Darsteller Eisblöcke auf die Häupter.

Sepp Rist, der einzige deutsche Schauspieler, litt wohl besonders unter der ungewohnt starken Hitze. In den Ebenen beobachtete und filmte Angst Bauern, die am Rande des heiligen Berges mit primitivsten Mitteln Reisfelder bebauten. Nach der Ernte wird das Brot des Fernen Ostens in großen Körben im Fluss gewaschen. Japanische Gewässer können sehr gefährlich sein. Immer wieder werden sie von chinesischen Dschunken befahren. Diese Boote dienen dem Handel, nicht selten aber auch dem Schmuggel oder gar der Piraterie. Eine weitere Gefahr liegt in den Vulkanen. Für die Filmaufnahmen wagte sich Angst sogar in den rauchenden Schlund eines Kraters. Nachhause gebracht hat der Kameramann mehrere Kilometer an Filmmaterial sowie eine Malaria-Erkrankung. Wir sind sehr gespannt, welche der zahlreichen Aufnahmen es in den nächsten Kinofilm des waghalsigen Kameramanns, Regisseurs und Drehbuchautors schaffen werden.

Die Bauern bei ihrer Arbeit

Die Bauern bei ihrer Arbeit

Vom Filmbusiness enttäuscht
"Das Heilige Ziel" war das Ergebnis einer der zahlreichen Reisen des Schweizer Kameramanns. Er bereiste nicht nur Japan, sondern auch Grönland, Borneo und Tibet. Seinen Expeditionsländern setzte er in Dokumentationen filmische Denkmäler. Aber Angst war auch für Spielfilme zu haben. Bis in die 1960er Jahre gehörte er zu den begehrtesten Kameramännern Deutschlands. Er drehte mit Regisseuren wie Fritz Lang, Hans Steinhoff und Paul Verhoeven. 1969 verwirklichte er seine letzten Filmprojekte. "Das ausschweifende Leben des Marquis de Sade" ist eine Biografie über den berühmten Marquis de Sade, der im 18. Jahrhundert durch seine pornografische Literatur auffiel. "Die Hochzeitsreise" ist eine Komödie mit Liselotte Pulver und Dieter Hallervorden.

Im modernen deutschen Filmwesen fühlte sich Angst jedoch nicht mehr zuhause. Er zog sich aus dem Filmbusiness zurück und eröffnete in Berlin ein Restaurant. Daneben dozierte er an der Filmhochschule München und verfasste seine Memoiren. Angst starb im Sommer 1984 in München.
Ann-Catherin Karg/Filmreporter.de - 12. Juni 2012
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