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Interview

Ralf Moeller
Ulrich Blanché/Ricore Medien

"Ich spiele gerne Komödien"

Ralf Moeller sucht neue Aufgaben
Zum Interview kommt ein gut gelaunter Ralf Moeller zur Tür herein, der vor dem Interview auch zu einem Pläuschchen mit den Journalisten offen ist. Unterhaltsam und augenzwinkernd erzählt der ehemalige Mr. Universum von seiner neuen Aufgabe als Synchronsprecher in dem Animations-Blockbuster "Monsters vs. Aliens". Darin spricht er den machohaften wie gutmütigen Missing Link, eine Mischung aus Affe und Fisch. Abgesehen von den dicken Lippen erkenne er sich auch optisch in Missing Link, so der grinsende Moeller.
Von  Ulrich Blanché/Filmreporter.de,  2. April 2009
Monsters vs. Aliens
Paramount Pictures
Monsters vs. Aliens
Ralf Moeller: Hallo, kommt ihr aus Berlin?

Ricore: Nein, aus München.

Moeller: Morgen bin ich auch da - privat. Ich bin immer wieder gerne in München.

Ricore: War das Ihre erste Synchron-Rolle?

Moeller: Ich habe von mehreren Jahr schon einmal synchronisiert. Das war nur eine ganz kleine Rolle für Disney. "Monsters vs. Aliens" war die erste richtige Rolle. (betrachtet das Poster mit seiner Figur) Bis auf die Lippen bin ich das auch. Den Kussmund hätte ich mir irgendwo am Bodensee bei Professor Mann wohl noch aufspritzen lassen müssen (grinst). Man bot mir die Figur an und ich habe ihn mir genau angesehen und festgestellt, dass es da einiges gibt, dass mir sehr bekannt vorkommt: Er geht voll ran, ist forsch und macht einfach sein Ding, manchmal ohne nachzudenken. Er springt gern mal ins kalte Wasser und denkt, dass ihm die Welt gehört. Aber er lernt auch schnell, dass es da noch ein Team gibt, das er braucht. Sie bremsen ihn, wenn er zu weit geht. Ich mochte die Figur von Anfang an, wir waren gleich Kumpels, Missing Link und ich.

Ricore: Haben Sie die Rolle direkt bekommen oder gab es ein Casting?

Moeller: Es gab ein Casting. Ich habe in Amerika schon mit Dreamworks bei "Gladiator" und "The Scorpion King" zusammengearbeitet. Daher kannten die mich schon. Dennoch war es nicht so, dass sie mir einen Gefallen getan haben. Vielmehr musste ich zu der Figur passen. Gecastet wurde ich in Berlin im Januar, wo ich gerade den Thriller "Slave" drehte. Ich habe vorgesprochen und das Ergebnis wurde zu Dreamworks nach Amerika gesendet. Die verglichen das mit der Originalstimme und stimmten zu.


Ralf Moeller
Warner Bros. Pictures
Ralf Moeller
Ricore: Wie war es?

Moeller: Die amerikanische Original-Stimme spricht ein Comedian (Will Arnett, d.R.) Missing Link. Ich liebe Komödien und habe auch schon Filme wie "Bierfest" und andere gedreht. Ich mache gerne Komödien. Deshalb hat mir diese Arbeit gut gefallen. Ich hatte in Form dieser Figur die Chance, mein komisches Talent zu zeigen. Man hört zwar nur die Stimme, die ist jedoch die Seele eines Schauspielers. Da kann man schon Stimmung erzeugen. Ich mache gerne einmal etwas anderes.

Ricore: Man steht in einer Kammer und spricht seinen Text. Wie fühlte sich das an?

Moeller: Ich war das vom Filmdrehen der letzten 16 Jahre schon gewöhnt, Sachen immer und immer wieder zu sagen. Das muss man insbesondere, wenn es beim Dreh zu laut war. Daher war mir die Umgebung nicht fremd. Dennoch ist es anders, einen Animationsfilm zu synchronisieren, weil man da wirklich in der Dunkelheit des Studios alleine ist. Natürlich hat man einen Regisseur und Techniker, aber anspielen kann man niemanden. Man wird auch nicht in Form von Dialogen selbst angespielt. Was dazu kam war die Sprache: Englisch ist etwas cooler und runder, auch sprechen all diese Figuren sehr schnell. Oft muss man das ein oder andere deutsche Wort ergänzen, um den Sinn beizubehalten. Da ist die Figur sehr mochte, war es einfacher, mich in die Figur hineinzuversetzen.

Ricore: Wie lange dauerte das Ganze?

Moeller: Wir haben das in dreieinhalb Tagen synchronisiert, von morgens bis abends haben wir acht Stunden eingesprochen. Am letzten Tag haben wir Szenen, die ich am ersten Tag einsprach, wiederholt. Das ist so üblich. Weil man ja im Laufe des Prozesses immer besser wird. Das Ergebnis wurde noch einmal in die USA gesendet und für gut befunden. Dort versteht man zwar normalerweise die deutsche Sprache nicht. Aber sinngemäß und vom Klang her erschien es ihnen passend. Wenn man das hört, denkt man sich: Was für ein Umstand. Wenn man jedoch überlegt, dass Dreamworks für den ganzen Film etwa fünf Jahre brauchte, wird das verständlich. Sie hatten ein Budget von fast 150 Millionen US-Dollar. Auch wird oft schon im Vorfeld festgelegt, wer welche Figur sprechen wird, was wiederum in die Optik der Figur auch einfließen kann. In meinem Fall haben sie das fast geschafft (grinst).


Far Cry
20th Century Fox
Far Cry
Ricore: Sie sagten, Sie würden gerne Komödie machen. Wie schwer ist das, wenn man auf bestimmte Genre festgelegt ist?

Moeller: Was macht man da? Man versucht, in Komödien mitzuspielen oder zumindest zu synchronisieren. Außerdem spricht man mit Regisseuren darüber. Denen geht es oft um Sicherheit. Kollegen, die Komödien machen, würden auch oft gerne etwas anderes ausprobieren. Schauen Sie sich Jim Carrey an. Der wollte dann das Gegenteil von Komödie machen und tat sich sehr schwer. Jeder ist irgendwann festgelegt. Das gilt auch für große Namen. Ich kann mir Al Pacino nicht als Gladiator vorstellen. Ich würde gerne Komödien drehen und lasse die Leute das wissen.

Ricore: Das geht nur in kleinen Schritten…

Moeller: Ja. Arnold (Schwarzenegger, d.R.) hat das clever gemacht. Er hatte Danny DeVito und hat schon viel früher den Regisseur Ivan Reitman beim Skifahren angesprochen, dass er gerne Komödien machen würde. Der meldete sich zwei Jahre später und vereinigte ihn mit dem großartigen Komiker Danny DeVito. Das passte einfach, nicht nur von der Optik der beiden. Man kann das auch nicht forcieren. Zu allererst mal das Drehbuch das hergeben. Aber es wäre ja auch schlimm, wenn alles so einfach wäre.

Ricore: In Ihrem Fall würden sich doch Actionkomödien à la Dwayne \"The Rock\" Johnson anbieten. Wäre das ein Einstieg?

Moeller: Man darf nicht vergessen, das Dwayne Johnson einen langen Vorlauf als Football-Star und Wrestler hatte. Dadurch bekommt er eher solche Rollen als ich, der sich im Laufe der Jahre auch einen Namen machte. Dwayne macht das ziemlich gut und auch gerne.


Ralf Moeller
Ulrich Blanché/Ricore Medien
Ralf Moeller
Ricore: Haben Sie als Deutscher in Hollywood schon in Richtung James-Bond-Bösewicht überlegt?

Moeller: Marc Forster ist ein guter Freund von mir. Im Falle dieses letzten Bond-Filmes stand fest, dass viel in Südamerika und Kolumbien spielen würde. Der typische große Starke war da fehl am Platze. Auch war der Film eine Fortsetzung. Zusätzlich drohte zur Drehzeit Streik, weshalb sie das Buch nicht mehr ändern konnten. Aber es ist und bleibt eine Option für mich, weil es ein klassisches Ziel ist. Leider ist es nicht so, dass immer der böse Russe gesucht wird. Bei James Bond gibt es ja immer zwei Frauen, von denen eine irgendwann stirbt und den Hauptbösewicht, der von einem Handlanger unterstützt wird. Der Hauptbösewicht geht meist in Richtung Anthony Hopkins, als Handlanger wird gerne ein Starker genommen. Es muss vom Drehbuch her passen. Wenn es im Filmgeschäft nur von Freunden, Verwandten und Bekannten abhinge, wäre es einfach. Tom Hanks hat auch einen Bruder, der Schauspieler ist, den niemand kennt. Ich bin jetzt 18 Jahre in Amerika und es gibt 100.000 Leute im Filmgeschäft, die arbeitslos sind. Viele gingen auch zurück nach Deutschland und haben hier Erfolg. Ich arbeite drüben wie hier. Letztes Jahr machte ich zwei Event-Filme für RTL und auch dieses Jahr ist einer geplant. Man dreht aus finanziellen Gründen im Moment weniger in Los Angeles und Hollywood. Stattdessen geht man nach Kanada, New York, Arizona, Berlin, Budapest. Man dreht überall, aber wenig in Kalifornien. Da gibt es noch nicht die Zuschüsse vom Staat, wie anderswo.

Ricore: Sie leben in USA. Wie oft sprechen Sie noch Deutsch?

Moeller: Ich habe zwei Töchter, die Deutsch sprechen. Zuhause sprechen wir Deutsch. Auch bin ich oft hier. Letztes Jahr tourte ich auf Initiative der deutschen Familienministerin Ursula van der Leyen durch deutsche Hauptschulen. Die Initiative heißt "Starke Typen". Da spreche ich mit Hauptschülern über Zukunft und Jobvermittlung. Auch war ich in Afghanistan wo ich deutsche Soldaten besuchte. Ich war selbst Soldat und an einer Hauptschule. Ich mache Sachen, an die ich glaube, wie die Figur Missing Link. Wenn er hinfällt, steht er wieder auf. Man darf im Leben keine Angst vor Fehlern haben, sondern muss es einfach versuchen.


Ralf Moeller
20th Century Fox
Ralf Moeller
Ricore: Was sagen Ihre Töchter zu der Rolle?

Moeller: Die freuen sich sehr auf den Film. Er kommt ja schon bald in die Kinos. Auf 3D ist er übrigens noch besser.

Ricore: Was war die beste Situation im Synchronstudio?

Moeller: Man muss oft Laute und Rand-Töne sprechen oder schreien. Oft ist es einfacher, mehrere schnelle Sätze hintereinander zu sagen, als ein oder zwei Worte einzuflechten. Es muss passen. Man muss der Figur im richtigen Moment Wärme oder Traurigkeit geben. Die Geschwindigkeit muss passen. Man muss auch drohende Gefahr in der Stimme hören können. Synchronisieren ist schon eine Kunst.

Ricore: Noch eine Frage zu Uwe Boll

Moeller: Unser genialer Regisseur! (grinst).

Ricore: Gibt es ein neues Boll-Projekt mit Ihnen?

Moeller: Zurzeit nicht. Uwe hat schon Charakter. Er hat immerhin über 200 Millionen US-Dollar nach Kanada gebracht. Seine Filme haben auch Nachdenkwert. Natürlich sind sie manchmal auch grenzwertig. Ich weiß, dass es ein gewagter Schritt ist, aber auch Stanley Kubrick war mit gewissen Themen seiner Zeit voraus. Uwe Boll ist ein guter Produzent. Was Regie und vor allem was die Drehbücher anbelangt, kann er ja noch einmal nachschauen, wie das eine oder andere funktioniert. Er hat Charakter, ist ein Freund von mir und sehr engagiert. Er hat ja kürzlich eine große Auszeichnung bekommen, die goldene Himbeere. Uwe, Gratulation für die Himbeere! Die kriegen nur ganz erfolgreiche Menschen.

Ricore: Möchte man ihm nicht manchmal sagen: "Uwe, stell die Kamera doch einmal da hin"?

Moeller: Naja, er macht immer so viel nebenher. Er ist jetzt übrigens auch Vater geworden. Das hat bestimmt positive Auswirkungen auf seine Geschichten. Vielleicht kommen im nächsten Uwe-Boll-Film weniger Blut sondern mehr Familiengeschichten vor.

Ricore: Vielen Dank für das Gespräch.
Von  Ulrich Blanché/Filmreporter.de,  2. April 2009

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