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Interview

Simon Pegg auf der "Mission: Impossible"-Premiere in Dubai

Paramount Pictures

'Traumpartner findet man nicht in den Sternen'
Simon Pegg kann auch romantisch
Simon Pegg ist die britische Ulknudel, die gerne Genres durch den Kakao zieht und in Hollywood-Blockbustern wie "Mission: Impossible" und "Star Trek" den komischen Sidekick gibt. Dass er auch ernst kann, hat der Schauspieler neulich in der Tragikomödie "Hectors Reise oder Die Suche nach dem Glück" bewiesen. Mit "Es ist kompliziert …!" zeigt er, dass er auch als romantischer Liebhaber richtig besetzt ist. Im Interview mit Filmreporter.de spricht der 45-Jährige über Blind Dates, romantische Komödien und die "Star Trek"-Filmreihe.
Von  Willy Flemmer, Filmreporter.de,  29.07.2015
Es ist kompliziert...! (Man Up, 2015)

StudioCanal Germany

Dauerhafte Partnerschaft um vieles schwerer

Ricore Text: Mr. Pegg, hatten Sie jemals ein Blind Date?

Simon Pegg: Ich bin seit zehn Jahren verheiratet, insofern ist es bei mir mit Dates lange her. Meine Frau war die letzte, mit der ich mich verabredet habe. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie Verabredungen heute aussehen, in Zeiten von Internet und Social-Media-Plattformen muss das eine ganz neue Landschaft sein.

Ricore: Ist die Sache zwischen Mann und Frau wirklich so kompliziert, wie der deutsche Titel suggeriert?

Pegg: Ja, durchaus und ich schätze, das wird es auch immer sein. Vor allem in der heutigen Zeit muss man so einiges in Kauf nehmen, um den richtigen Partner kennenzulernen. Wenn man nur eine körperliche Beziehung haben will, ist es sicher weniger kompliziert. Eine dauerhafte Partnerschaft aufzubauen ist um ein vielfaches schwerer.

Ricore: Hinsichtlich des Genres von "Es ist kompliziert...!" ist die Sache dagegen alles andere als kompliziert: Boy meets Girl! Es wird eine einfache, uralte Geschichte erzählt.

Pegg: Ja, das ist der Mythos, den das Genre aufrechterhält. Das wollen wir doch alle sehen: Boy meets girl und die beiden verlieben sich. Die romantische Komödie erzeugt eine Welt, die einfacher und überschaubarer ist, als das wirkliche Leben. Wir sehen nicht, was mit Jack und Nancy nach dem Film passiert, wir sehen nur, wie sie zusammen kommen.

Ricore: Glauben Sie an den Partner fürs Leben?

Pegg: Die Person, die für einen bestimmt ist, läuft nicht da draußen herum. Vielmehr ist es so, dass man sich für einen Menschen entscheidet. Den Traumpartner findet man nicht in den Sternen, er ist eine Entscheidung. Sobald diese Entscheidung getroffen wurde, beginnt man dafür zu arbeiten, die Beziehung aufrechtzuerhalten.

Ricore: Finden Sie Geheimnisse in einer Beziehung zulässig?

Pegg: Absolut, solange sie nicht Gift für die Beziehung sind. Ich finde Lügen im Sinne der Gewissenserleichterung für selbstsüchtig. Damit hilft man nur sich selbst und verletzt die Gefühle des anderen. Ich sage nicht, dass es in Ordnung ist zu lügen und zu betrügen. Manchmal müssen sie halt taktvoll sein. Die Wahrheit ist nicht immer der richtige Weg.


Simon Pegg mit Lake Bell in "Es ist kompliziert...!"

StudioCanal Germany

Simon Pegg: im besten Licht

Ricore: Sind wir in Zeiten des Internet nicht alle Lügner, wenn es darum geht, sich in Social Media-Portalen zu präsentieren?

Pegg: Das interessante an Avataren ist die Tatsache, dass Menschen Bilder von sich online stellen, bei denen sie annehmen, dass diese sie im besten Licht zeigen. Ausgehend von ihrer Wahl kann man Rückschlüsse auf ihre Persönlichkeit ziehen. Zum Beispiel kann man daraus ihre Werte ableiten. Man kann sehen, was für sie wichtig ist und was nicht. Ausgehend von Online-Profilen kann man komplexe psychologische Studien erstellen.

Ricore: Gibt es ein Geheimnis aus ihrer Jugend, dass Sie der Öffentlichkeit mitteilen wollen?

Pegg: Mit 25 Jahren hatte ich ein gebrochenes Herz, nachdem eine fünfjährige Beziehung gescheitert war. Ich war sehr jung. Die Erfahrung machte mich eine Zeit lang zynisch. Ich fiel in den gleichen Modus wie Jack in "Es ist kompliziert…!". Nach außen hin tat ich, als wäre ich cool und die Welt läge mir zu Füßen. In Wirklichkeit war ich sehr verletzlich.

Ricore: Hat sich diese Erfahrung auf Ihre Kreativität ausgewirkt?

Pegg: Ja, die Erfahrung war ein entscheidender Moment in meinem jungen Leben. Der Traum war geplatzt. Von da an machte ich mich auf den Weg, auf dem ich mich jetzt befinde. Ich schrieb eine Sitcom ["Six Pairs of Pants"; Red.], diese führte zu "Shaun of the Dead" und "Shaun of the Dead" führte zu anderen Projekten. Insofern betrachte ich die Erfahrung heute als etwas Positives (lacht).

Ricore: Ein Hoch auf Krisen also...

Pegg: Ja, Menschen sind weitaus kreativer, wenn sie mit der Welt nicht im Reinen sind. Wohlgefühl ist zerstörerisch, wenn es um Kreativität geht. Weil man keine Notwendigkeit sieht, sich auszudrücken. Insofern sind Schmerzen gut.


Simon Pegg in "Es ist kompliziert...!" (Man Up, 2015)

StudioCanal Germany

Ricore: Sie sind ein erfolgreicher Schauspieler und haben als Drehbuchautor das Skript von "Star Trek Beyond" verfasst. Dennoch sehen Sie nicht aus, als hätten sie einen Nervenzusammenbruch nach dem anderen.

Pegg: (lacht) Glauben Sie mir, es gab Momente... Nein, die Sache ist das Ergebnis eines Gesprächs, das ich mit Bryan Burk, dem Produktionspartner von J.J. Abrams, hatte. Auf dem Set von "Mission: Impossible III" unterhielten wir uns über den nächsten "Star Trek"-Film. Bryan wollte eine neue Filmreihe, war aber mit dem Drehbuch unzufrieden. Weil er Fan von meinen Filmen wie "Shaun of the Dead" war, fragte er mich, ob ich nicht an Bord kommen und das Drehbuch schreiben wolle. Ich war zugleich geschmeichelt und schockiert. Ich sagte zu, dann lehnte ich ab, dann sagte ich wieder zu, um doch wieder einen Rückzieher zu machen, und so fort. Schließlich kam J.J. zu mir und sagte, dass es großartig wäre, wenn ich es machen würde.

Ricore: Als Schauspieler dürften Sie mittlerweile daran gewöhnt sein, in Hollywood zu arbeiten. Wie war es als Drehbuchautor?

Pegg: Es war eine Lektion, wie man unter Druck arbeitet. Normalerweise brauche ich ein Jahr oder mehr für ein Drehbuch. Bei "Star Trek" hatte ich sechs Monate Zeit, dann sollte der Film in Produktion gehen. Hinzu kam die Vorproduktion, bei der man immer wieder mit Menschen konfrontiert wird, die mit den unterschiedlichsten Fragen an einen herantreten. Alles in allem war das eine unglaubliche Erfahrung.

Ricore: Unter einem solchen Zeitdruck braucht es Menschen, die sich mit der Materie auskennen. Zeit für Recherche oder Vorbereitungen hat man nicht.

Pegg: Ich lebe seit meinem neunten Lebensjahr mit "Star Trek" und bin mit diesem Universum sehr vertraut. Abgesehen davon gibt es ein großartiges Online-Lexikon rund um "Star Trek", das "Memory Alpha". Immer wenn ich während der Schreibprozesses eine Frage hatte, etwa wann ein Mensch zum ersten Mal gebeamt oder wann der Warpantrieb erfunden wurde, usw. fand ich hier die Information. Es war eine große Hilfe.

Ricore: Würden Sie sich als postmodernen Filmemacher beschreiben.

Pegg: Ja, ich gehöre zu einer Generation, die sich dessen bewusst sind, woher sie kommt. Die drei Filme, die ich mit Edgar Wright gemacht habe, sind insofern postmodern, als sie auf die Genres verweisen, in denen sie sich selbst bewegen - entweder in Form von Huldigungen oder eines Kommentars. Die postmoderne Strömung hat wesentlich meine Weltsicht beeinflusst. Mit anderen Worten: man hat keine andere Wahl, als postmodern zu sein, wenn man nach 1970 geboren wurde.

Ricore: Demnach sind die "Das Schweigen der Lämmer"-Verweise in "Es ist kompliziert …!" ihnen zu verdanken?

Pegg: Nein, das ist ein Einfall der Drehbuchautorin Tess Morris. Sie fragte sich: Was wäre der abwegigste Film, über den man sich beim ersten Date unterhalten könnte. Und so kam sie auf einen Film über einen Serienmörder. Ich fand es sehr klug, in einer romantischen Komödie auf "Das Schweigen der Lämmer" zu verweisen und nicht auf naheliegende Filme wie "Tage wie dieser......" oder "Harry und Sally". Eine tolle Idee.

Ricore: Vielen Dank für das Gespräch
Von  Willy Flemmer, Filmreporter.de,  29.07.2015

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