Filmkritik: Beziehungsdrama à la Tarantino | FILMREPORTER.de
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Teaserplakat zu Volume 2
Weniger Action, mehr Dialoge

Beziehungsdrama à la Tarantino

"Die Braut, die sich nicht traut" hieß vor einigen Jahren eine romantische Komödie mit Richard Gere und Julia Roberts. Mit "Kill Bill" hat Regisseur Quentin Tarantino sozusagen den Gegenentwurf abgeliefert. Seine Hauptfigur, die Braut, die von Tarantinos Lieblingsdarstellerin Uma Thurman verkörpert wird, ist nicht gerade zimperlich wenn es darum geht, ihre Feinde aus dem Weg zu räumen. Diese Braut traut sich was! Im zweiten Teil der "Kill Bill"-Saga zeigt sie sich allerdings nicht nur von ihrer knallharten Seite, sondern beweist durchaus auch viel Gefühl.
Von  Frank Geissler, Filmreporter.de, 22. April 2004

Der Weg zum perfekten Killer ist hart

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Was lange währt, wird endlich gut. Nachdem Quentin Tarantino und Miramax-Boss Harvey Weinstein entschieden hatten, "Kill Bill" als Zweiteiler ins Kino zu bringen, sollte "Volume 2" ursprünglich nur wenige Monate nach "Volume 1" herauskommen. Letztendlich liegen nun ziemlich genau sechs Monate zwischen den beiden Teilen. Diese "Reifezeit" ist "Volume 2" auch inhaltlich anzumerken. War Teil eins ein action-geladener Kraftakt, in dem die Braut (Uma Thurman) überwiegend als knallharte Rächerin zu sehen war, liegt der Fokus im zweiten Teil vielmehr auf den Dialogen und der komplexen Beziehung zwischen der Braut und ihrem ehemaligen Boss und Liebhaber Bill (David Carradine). Deren Verhältnis ist weitaus komplizierter, als der Titel "Kill Bill" vermuten ließe. So könnte man "Volume 2" fast schon als Liebesfilm, zumindest aber als Beziehungsdrama beschreiben - das allerdings visuell und formal immer wieder als Westernepos oder als schmutziger 70er-Jahre Hong-Kong-Film inszeniert ist.

Das wird nirgendwo so deutlich wie in einem der ersten Kapitel von "Volume 2", in dem Bill den Hochzeitsvorbereitungen der Braut ein jähes Ende bereitet. Fast wie in einem Western-Duell lässt Tarantino die ehemaligen Liebenden Braut und Bill aufeinandertreffen - er gibt ihnen reichlich Zeit, gemeinsam über die Vergangenheit zu plaudern. Das anschließende Massaker, in dem Bill und sein Killerkommando die gesamte Hochzeitsgesellschaft hinrichten, wird nicht in all seinen blutigen Details gezeigt, wie man vermutet hätte. Stattdessen zieht sich die Kamera dezent aus der kleinen texanischen Hochzeitskapelle zurück, und lässt uns am Gemetzel nur akustisch teilhaben.

Unerwartetes Comeback für David Carradine

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All das soll freilich nicht heißen, dass es in "Kill Bill - Volume 2" harmlos zugehen würde. Schließlich muss die Braut nicht nur dem Titel des Films gerecht werden, sondern davor auch noch ihre ehemalige Rivalin, die biestige Elle Driver (Daryl Hannah) sowie Bills jüngeren Bruder Budd (Michael Madsen) aus dem Weg räumen. Tarantino hat sich nicht nur für diese Episoden einige Überraschungen einfallen lassen. Er achtet in "Volume 2" mehr auf die Dialoge, die zwar teilweise etwas Überlänge aufweisen, aber oftmals den Biss haben, den man noch aus "Pulp Fiction" kennt.

Bill, der in "Volume 2" fast schon zur dominierenden Figur wird, darf sich in mehreren Monologen durchaus als menschlicher Charakter präsentieren - und David Carradines Ehrfurcht einflößendes Spiel sorgt dafür, dass man diesen Fiesling am Ende richtig gern hat. Das scheint übrigens auch Quentin Tarantino so zu gehen. Der will nun in einem Anime-Prequel Bills Vorgeschichte inszenieren. Ein Film, auf den man sich jetzt schon freuen darf - auch wenn die Wartezeit bis zum Kinostart wahrscheinlich wieder viel zu lang sein wird.

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