Retronews: Nikolai Cherkasovs Transformation | FILMREPORTER.de
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Nikolai Cherkasov als Peter, der Erste.
Der Verwandlungskünstler

Nikolai Cherkasovs Transformation

Manische Herrscher auf die Leinwand zaubern - das ist Nikolai Cherkasovs Stärke. Der sowjetische Schauspieler machte erstmals in "Stürmischer Lebensabend" auf sich aufmerksam. Mit 29 Jahren spielte er den alten Professor Dmitri Illarionovich Polezhayev dermaßen überzeugend, dass man dachte, er sei über Nacht gealtert. Die Maskenbildner hatten wenig zur Transformation beigetragen. Es heißt, Cherkasov habe auf den Straßen Leningrads die Mimik und Gestik alter Männer abgeguckt. Über Nacht wurde er zu einem Schauspieler mit Weltgröße.
Von  Tzveta Bozadjieva, Filmreporter.de,  6. Januar 2018

Nikolai Cherkasov in "Kinder des Kapitän Grant"

Nikolai Cherkasov in "Kinder des Kapitän Grant"

Affinität für komplizierte Charaktere
Die Zeitschrift Neue Filmwelt (2. Heft/1947) erkennt trotz der Vielfältigkeit der Figuren eine gemeinsame Tendenz: Der Schauspieler verschmilzt mit seinem Vorbild. "Wie er sich räuspert und wie er spuckt, das ist nun zum Verwechseln ununterscheidbar", meint ein zeitgenössischer Kritiker. Doch erst die Zusammenarbeit mit Sergej Eisenstein sollte Höhepunkt von Nikolai Cherkasovs Schaffen sein.

In "Aleksander Newski" (1938) schlüpft er in die Rolle des russischen Fürsten, der später von der orthodoxen Kirche zum Heiligen erklärt wird. In "Der Mann mit dem Gewähr" verkörpert er den Dichter Maxim Gorky anmaßend und verschlagen. Als berüchtigter Zar in "Iwan der Schreckliche" gewinnt er den Stalinpreis und wird zum Abgeordneten im Obersten Sowjet gewählt. Auf die Gummigelenkigkeit seines Gesichts kann man in seiner nächsten Rolle gespannt sein.

Nikolai Cherkasov in "Melodie des Lebens".

Nikolai Cherkasov in "Melodie des Lebens".

Fortsetzung verboten
Die Zusammenarbeit mit Regisseur Sergej Eisenstein markierte einen Höhepunkt in der Karriere von Nikolai Cherkasov. Die erfolgreiche Kooperation wurde mit einer Fortsetzung von "Iwan der Schreckliche" fortgesetzt. Am Set kam es jedoch zu Auseinandersetzungen.

Im Februar 1947 wurden sie zu einer Audienz in den Kreml eingeladen. Stalin wollte in dem Streit das letzte Wort haben. Es kam jedoch anders. Stalin sah in dem Werk Andeutungen auf seine blutige Diktatur und verbot den Film. Einige Szenen wurden sogar vernichtet. Erst Nikita Chruschtschow lockerte die Kulturzensur. Elf Jahre später (1958) kam "Iwan der Schreckliche, Teil 2" in die russischen Kinos. 1960 erfreute sich erstmals das deutsche Publikum an der Fortsetzung.
Tzveta Bozadjieva, Filmreporter.de - 6. Januar 2018
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