Koch Media
Peter Weir Collection

Peter Weir Collection

Originaltitel
Peter Weir Collection
Medium
Filmbox
Im Handel ab
01.02.2013 bei Koch Films
FSK
ab 16 Jahren
Länge
362 min.
|0  katastrophal
brilliant  10|
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Vier spannende Spielfilme mit skurrilen Figuren
In "Picknick am Valentinstag" möchte ein australisches Mädcheninternat den Tag der Verliebten mit einem Ausflug zum sagenumworbenen Hanging Rock würdigen. Fröhlich brechen die Schülerinnen sowie einige Lehrerinnen auf, doch die Wanderung nimmt kein gutes Ende: Plötzlich sind drei Mädchen und eine Lehrerin (Vivean Gray) verschwunden, auch nach einer zügig eingeleiteten Suchaktion bleiben die Personen verschollen.

Das auch unbedarfte Autofahrer von der Bildfläche verschwinden können, zeigt "Die Autos, die Paris auffraßen". Darin baut der reiselustige Arthur Waldo (Terry Camilleri) im australischen Paris gemeinsam mit seinem Bruder einen schweren Unfall und überlebt als einziger. Schnell stellt er fest, dass in dem kleinen Dorf immer wieder schwere Autounglücke passieren, deren Ursache nur selten geklärt werden. Sind das alles Zufälle, oder hat Arthur mit seiner Vermutung recht, dass im australischen Hinterland nicht alles mit rechten Dingen zugeht?

Nicht nur Arthur hat vermeintlich paranoide Gedanken, dies trifft auch auf Jelly (Judy Morris) in "Wenn der Klempner kommt" zu. Diese fühlt sich von Max (Ivar Kants) massiv bedroht, als dieser eines Tages vor ihrer Tür steht und behauptet die Wasserrohre in ihrem Bad überprüfen zu müssen. Das sich Jelly nicht zurecht unwohl fühlt, wird deutlich, als das eben noch heile Badezimmer in Schutt und Asche liegt.

Über Probleme dieser Art würde sich David Burton (Richard Chamberlain) aus "Die letzte Flut" wahrscheinlich freuen. Denn der australische Anwalt muss sich mit weit existenzielleren Problemen auseinandersetzen, denn einem nervenden Klempner. Vielmehr steht er vor der Aufgabe, eine Gruppe Aborigines verteidigen zu müssen, die des Mordes an einem Stammesmitglied beschuldigt werden. Seine Nachforschungen führen David zu einer eigentümlichen Kultstätte sowie auf eine erkenntnisreiche Suche nach der eigenen Identität, bei er mit unheilvollen Prophezeiungen konfrontiert wird und mit ansehen muss, wie über Sydney ein sintflutartiger Regenschauer losbricht.
"Wenn der Klempner kommt", "Die Autos, die Paris auffraßen", "Die letzte Flut" sowie "Picknick am Valentinstag" entstehen in den 1970er Jahren und sind die vier ersten abendfüllenden Spielfilme von Regisseur Peter Weir und werden in der "Peter Weir Collection" zusammengefasst. Bereits in den ersten Werken des Australiers lassen sich Eigenheiten feststellen, die auch in seinen späteren Filmen wie "Der Club der toten Dichter" und "Die Truman Show" zu finden sind.

So wird bereits in Weirs erstem Werk "Die Autos, die Paris auffraßen", dessen Hang zu ungewöhnlichen Charakteren deutlich. Der von Terry Camilleri überzeugend verkörperte Arthur Waldo ist ein skurriler Typ - immer freundlich, aber ziemlich naiv und extrem weltfremd. Die Figur ist überspitzt angelegt und maßt sich keinerlei moralisches Urteil über seine Mitmenschen an, so dass der Blick des Zuschauers auf den Zustand des australischen Bürgertums unbeeinflusst bleibt.

Ebenso kritisch, und ohne den moralischen Zeigefinger zu erheben, geht Weir in "Die letzte Flut" vor. Gelungen macht er die tiefe Kluft zwischen australischen Bürgern europäischer Abstammung und den Ureinwohnern deutlich. Neben der eindrucksvollen Kameraarbeit, bleibt von dem 1977 geschaffenen Werk vor allem die sehenswerte Schauspielleistung des jungen Richard Chamberlain in Erinnerung. Glaubhaft mimt er den innerlich zerrissenen Anwalt, der seinen Platz im Leben sucht - so wie Jim Carrey in "Die Truman Show" - der sein ganzes Leben von den Kameras observiert wird.

"Picknick am Valentinstag" markiert 1975 den internationalen Durchbruch von Peter Weir. Das Besondere an der Literaturadaption ist neben seiner äußerst vorlagengetreuen Umsetzung, die einnehmende Atmosphäre des Werks. Die Doppeldeutigkeit der vom Regisseur kreierten Welt, die einerseits als Paradies auf Erden, andererseits als natürliches Gefängnis interpretiert werden kann, macht er auf unterschiedliche Weise deutlich. So zeigt Weir die Protagonistinnen nur selten in Nahaufnahme, zudem verzichtet er auf viele Dialoge, so dass dem Zuschauer nur die Position des stillen Beobachters bleibt. Weichgezeichnete Bilder, klassische Musik und wunderschöne Landschaftsaufnahmen unterstreichen diesen idyllischen Charakter. Die Szenen harmonieren perfekt miteinander, weshalb der Zuschauer von der daraus entstehenden Atmosphäre in seinen Bann gezogen und nicht mehr losgelassen wird.

Auch in Weirs späteren Werken ist dessen Detailversessenheit bei der Konstruktion einer eigentümlichen Stimmung erkennbar, wie insbesondere die Beispiele "The Way Back - Der lange Weg" und "Master & Commander - Bis ans Ende der Welt" zeigen. Im die "Peter Weir Collection" vervollständigen "Wenn der Klempner kommt" treten schließlich sämtliche voran genannten Charakteristika zutage, wenn auch in nicht ganz so exquisiter Qualität wie den anderen Werken der Collection. Zwar gelingt es dem Regisseur mit einfachen technischen Mitteln eine knisternde Atmosphäre zu schaffen. Jedoch kann sich der Zuschauer nur bedingt mit den Figuren identifizieren, da diese eine Nuance zu skurril angelegt sind.
Heiko Thiele, Filmreporter.de
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2021