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RETRO Feature

Louis de Funès mit außerirdischen Kohlköpfen

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Uuuuh, aaaah, neiiiiiinnn!

Grimassen-König Louis de Funès

Wer hat nicht schon einen Film von Louis De Funès gesehen? Der französische Komiker gehört zu den größten seines Fachs. Seine cholerischen, Grimassen ziehenden und wild gestikulierenden Figuren bringen die Menschen seit Generationen zum Lachen. Dabei war Louis de Funès' Aufstieg zu einem der erfolgreichsten und bekanntesten Schauspieler der Welt steinig und voller Hindernisse...
Von  Willy Flemmer, Filmreporter.de,  25.05.2019

Louis de Funès in "Mary-Lou und ihre Herren"

Neue Film Post

Rosen liebender Clown

Louis de Funès ist der König aller Grimassenzieher, sein Sinn für Timing und Slapstick legendär, seine oftmals auf dem Reißbrett entstandenen Filme brechen alle Kassenrekorde. Dabei ist der französische Komiker und für viele auch begnadete Schauspieler, der auf der Leinwand mit seinen hektischen, wild um sich gestikulierenden Zappelphilipps so manche Slapstick-Parade hinlegt, im Leben eher zurückhaltend. 'Fufu', wie er von seinen Fans liebevoll genannt wird, ist ein feinsinniger und kultivierter Mensch, der zurückgezogen in einem Schlösschen an der Loire lebt und eine Leidenschaft für Blumen und Pflanzen hegt.


Louis de Funès  in "Die Damen lassen bitten"

StudioCanal

Zurückhaltender Fufu

Das Leben und die Karriere des 1914 in Courbevoie als Louis Germain David de Funès de Galarza geborenen Komikers und Schauspielers beginnt eher gemächlich und stockend. Bald nach der Schule fängt er eine Ausbildung als Kürschner an, schreibt sich dann an der École Technique de Photographie et de Cinéma ein, von welcher der ungehorsame Student mit Hang zu Streichen allerdings schnell verwiesen wird. Lous lässt sich nicht entmutigen und macht mit einer Fotografie-Ausbildung weiter, wird Schüler der Filmemacherin Germaine Dulac ("Das Lächeln der Madame Beudet"), um sich dann erst mal als Zeichner, Buchhalter, Dekorateur und Jazzpianist zu verdingen.


Louis de Funès in seinem Element

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Vom Schatten ins Licht

Die Schauspielerei betreibt de Funès bei seinem Selbstfindungsprozess nebenbei weiter. Bis er diesen Traum allerdings auch im Berufsleben realisieren kann, sollen noch ganze 20 Jahre vergehen. Als nach unzähligen kleinen und kleinsten Rollen mit der Komödie "Der Gendarm von Saint Tropez" und dem ebenfalls Furore machende Bühnenstück "Oscar" schließlich doch der ersehnte Durchbruch kommt, ist der unermüdlich ackernde Tausendsassa schon über 50!

Jetzt geht es Schlag auf Schlag: Je erfolgreicher und populärer de Funès wird, umso mehr Filme dreht er - teilweise bis zu fünf in einem Jahr. Natürlich kann bei dieser Fließbandproduktion nicht jeder Film die Kritiker überzeugen, witzig und Kassenschlager werden die meisten dennoch. Dabei spielt de Funès mit Vorliebe den cholerischen, launischen, ja auch fiesen Spießbürger, der auf sozial Schwache, Familienmitglieder und Angestellte schon mal herumtrampeln, gegenüber Höhergestellten aber auch eine kriecherische Pragmatik an den Tag legen kann. Die hektische, weit um sich greifende Gestik seiner Figuren spiegelt das Pendeln des Charakters zwischen sadistischer Boshaftigkeit auf der einen und masochistischer Erniedrigung auf der anderen Seite.


Louis De Funès ist mal wieder "Der Querkopf"

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Zwischen Billy Wilder und Charlie Chaplin?

Humorästhetisch positioniert sich sich Louis de Funès mit seinem Werk zwischen dem temporeichen und anarchischen Wortwitz in der Tradition Ernst Lubitschs, Billy Wilders sowie der Screwball-Komödie und der optischen, auf Körper-Komik und Slapstick aufbauenden Linie eines Charles Chaplin, Buster Keaton und seines Landesmannes Jacques Tati. Weltanschaulich weht in den besten Filmen de Funès' der Geist Molières'. Dass der Epigone sich einmal eines der Stücke des literarischen Vorbildes annehmen würde, ist nur eine Frage der Zeit. Der Zuschnitt von Molières "Der Geizige" auf den Funès'schen Stil mit "Louis, der Geizkragen" scheitert jedoch nach Ansicht der meisten Kritiker. Da ist der deutsche Verleih auch keine Hilfe, der die Komödie mit dem etwas dümmlichen Titel versieht. De Funès ist seinerzeit eine Marke, 'Louis' im deutschen Titel praktische aller seiner Filme ist deshalb Konzept und Pflicht.


Louis De Funès in "Louis und seine außerirdischen Kohlköpfe"

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Tempo zurücknehmen

Das Tempo, das de Funès nicht nur auf der Leinwand anschlägt, kann der unermüdlich arbeitende Komiker gesundheitlich nicht aufrechterhalten. Nach mehreren Herzinfarkten dreht er ab den 1970er Jahr nur noch einen Film pro Jahr. Dafür wird der begnadete Komiker, der zuvor auch vor gröberen Pointen nicht gefeit ist, bei der Auswahl von Sujets und Rollen sorgfältiger. Es entstehen Filme wie der Klassiker "Brust oder Keule", eine köstliche Parodie auf den Kult der französischen Küche und die damals bereits Raum greifende Fast-Food- und Systemgastronomie-Industrie und die beliebte Terrorismus-Komödie "Die Abenteuer des Rabbi Jacob".

Als Fazit lässt sich festhalten: Nicht alles, was Louis de Funès in seinen Filmen fabrizierte ist witzig, vieles ist pure Klamauk und Blödelei. In seinen besten Momenten kann man den Komiker jedoch auf eine Stufe mit den größten Filmkomikern des 20. Jahrhunderts stellen. In Frankreich hat sich die Rezeption von Louis de Funès in der Kunst und intellektuellen Schicht deshalb auch sehr zum Positiven verändert.
Von  Willy Flemmer, Filmreporter.de,  25.05.2019

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