Retro-Starportrait: Bettgeflüster mit Doris Day | FILMREPORTER.de
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Doris Day in: Bettgeflüster
Filmikone - viel zu früh abgetreten

Bettgeflüster mit Doris Day

Mit Klassikern wie "Der Mann, der zuviel wußte" und "Bettgeflüster" schreibt Doris Day Filmgeschichte. Als Sängerin ist sie nicht minder erfolgreich. Vor wenigen Jahren erscheint ihr letztes Album. Privat hat die Schauspielerin und passionierte Tierschützerin weniger Glück. Vier Ehen markieren ein Leben mit zahlreichen Aufs und Abs. Ein Blick auf eine Filmikone, die dem Kino zu früh den Rücken kehrt.
Von  Willy Flemmer, Filmreporter.de,  5. Juni 2019

Bettgeflüster

Bettgeflüster

Keine Sexbombe trotz viel Bettgeflüster
Wie wenige Hollywood-Schauspielerinnen pflegt Doris Day in den 1950er und 1960er Jahre das Image der naiven und unschuldigen Sauberfrau. Während ihre Kolleginnen Marilyn Monroe, Jayne Mansfield und Brigitte Bardot neben dem mehr oder weniger ausgeprägten Schauspieltalent immer wieder auch mit freizügigen Auftritten vor der Kamera glänzen und als Sex-Göttinnen die Boulevardblätter zieren, ist Day der Inbegriff spießiger Züchtigkeit.

Diesen Ruf handelt sich die Schauspielerin und Entertainerin nicht nur durch ihre zweite Karriere als Sängerin diverser Big Bands ein, sie verdient ihn sich auch ausgerechnet mit jenen äußerst populären Komödien an der Seite von Rock Hudson und Cary Grant. Filme wie "Bettgeflüster" werden nicht zuletzt wegen Days Schlafzimmerblick und der amourösen Verwicklungen der Protagonisten seinerzeit mit dem Etikett 'Sex-Komödien' versehen.

Doris Day und Rex Harrison in "Mitternachtsspitzen"

Doris Day und Rex Harrison in "Mitternachtsspitzen"

Goldkehlchen auch auf Leinwand
Doris Day wird am 3. April 1922 als Doris Mary Ann von Kappelhoff in Cincinnati im US-Bundesstaat Ohio als Tochter deutschstämmiger Eltern geboren. Ihren Traum, Tänzerin zu werden muss die 14-Jährige begraben, nachdem sie sich bei einem Autounfall ein Bein bricht. Doris sattelt um und wird Sängerin. Mit beachtlichem Erfolg tritt sie bald in diversen Big Bands auf und singt im Rundfunk mit Größen wie Frank Sinatra und Bob Hope. Einige Lieder landen ganz oben in den Musikcharts, so etwa der längst zum Evergreen gewordene "Sentimental Journey", den Day mit dem Orchester von Les Brown einspielt.

Die Bühnenpräsenz der Sängerin entgeht auch den Hollywood-Produzenten nicht. Bei Filmstudio Warner Bros. unterschreibt Doris Day 1947 einen Vertrag und ist in den folgenden Jahren in leichten Komödien und Musicals zu sehen, die den Grundstein für ihr Image der jungfräulich anmutenden Unschuldsnixe legen. Mit Hollywood Routinier Michael Curtiz ("Casablanca") dreht sie zu Beginn ihrer Karriere mehrere, heute in Vergessenheit geratene Filme. Ihre Spielpartner sind in dieser Periode Filmstars wie James Cagney, Frank Sinatra und der spätere US-Präsident Ronald Reagan.

Doris Day in: Bettgeflüster

Doris Day in: Bettgeflüster

Im Bett mit Rock Hudson
Es dauert nicht lange, bis auch Regie-Legende Alfred Hitchcock auf das schauspielerische und musikalische Talent Days aufmerksam wird. Der Meister des Suspence mit Vorliebe für Wasserstoffblondinen engagiert die damals bereits populärste und höchstbezahlte Schauspielerin Hollywoods für das Remake seines britischen Thrillers "Der Mann, der zuviel wußte". Darin schaut Day nicht nur gekonnt bekümmert um die Entführung ihres Filmsohnes drein, Hitch lässt sie vor der Kamera auch eindrucksvoll singen. Das Ergebnis ist einer der besten Hitchcock-Werke überhaupt, dessen Erkennungsmerkmal bis heute neben seiner inszenatorischen Brillanz der Evergreen "Que Sera, Sera" ist.

Trotz ihrem Talent für das Dramatische kehrt Doris Day in den folgenden Jahren zum komischen Fach zurück. Mit "Bettgeflüster", für den die Schauspielerin eine Oscar-Nominierung erhält, fällt der Startschuss für die 'Sex-Komödien' mit Rock Hudson. Der spritzigen Screwball-Komödie schließen sich die nicht minder populären Nachfolger "Ein Pyjama für zwei" und "Schick mir keine Blumen" an. Die Filme zünden beim Publikum nicht nur aufgrund ihrer latent-sexuellen Anspielungen, auch das Traumpaar Day und Hudson, dessen Homosexualität erst nach seinem Aids-Tod in den 1980er Jahren dem breiten Publikum bekannt wird, sind mit ihrem pointierten Spiel durchaus einnehmend. Später wird die Schauspielerin mit Cary Grant ("Ein Hauch von Nerz") und James Garner ("Eine zuviel im Bett") das gleiche Konzept variieren, allerdings mit spürbar kleinerem Erfolg.

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