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Interview
Diane Kruger (Venedig 2008)

Rufus F. Folkks/Ricore Text

"Kein Problem, über mich zu lachen"
Kann Diane Kruger Slapstick?
Spätestens mit ihrem Auftritt in Quentin Tarantinos "Inglourious Basterds" wird das frühere Model Diane Kruger als ernsthafte Schauspielerin wahrgenommen. An der Seite von Dany Boon zeigt die gebürtige Niedersächsin in "Der Nächste, bitte!" nun ihr komödiantisches Talent. Darin spielt Kruger eine junge Frau, die aus einem Aberglauben heraus einen Mann heiraten will, um mit einem anderen glücklich zu werden. Im Gespräch mit Filmreporter.de hat die 36-Jährige uns verraten, wie abergläubisch sie selbst ist und ob sich der deutsche vom französischen Humor unterscheidet.
Von  Willy Flemmer, Filmreporter.de,  22.03.2013
Diane Kruger in "Der Nächste, bitte!"

SquareOne Entertainment

Ricore: Frau Kruger, was haben Sie für die Suppen-Szene in Afrika anstelle der echten Suppe gegessen?

Diane Kruger: Ich weiß nicht genau, was das war, aber es hat genauso eklig geschmeckt wie die echte Suppe. Es war furchtbar. Ich musste mich hinterher übergeben.

Ricore: Dabei könnte man meinen, dass die Requisite für die Schauspieler etwas Leckeres vorbereitet hat.

Kruger: Das Problem war, dass es wie die echte Suppe aussehen musste. Darum kamen verschiedene Farbstoffe rein. Es hat wie Plastik geschmeckt und war sehr bitter.

Ricore: Ihre Reaktion in der Szene war demnach nicht gespielt.

Kruger: (lacht). Nein, das war echt.

Ricore: Stimmt es, dass Sie am Set in Kenia eine echte Begegnung mit einem Leoparden hatten?

Kruger: Ja, das stimmt, es passierte in der Dusche und ich war total starr vor Angst. Gottseidank hat er die Dusche nicht verlassen. Dann dachte ich, dass mir das keiner glauben würde und wollte ich ein Foto machen. Leider war der Leopard schon weggegangen, und zwar Richtung Danys Zimmer. Das war schon ein besonderes Erlebnis. Es kommt selten vor, dass man Leoparden in Natur sieht.

Ricore: Sie haben bis jetzt nicht sehr viele Komödien gedreht. Viele Schauspieler finden, dass das ein schwieriges Genre ist.

Kruger: Wichtig an einer Komödie ist ein gutes Drehbuch. Es gibt Schauspieler, die gerne improvisieren. Bei "Der Nächste, bitte" gab es keinen Raum für Improvisationen. Jedes Detail war im Drehbuch bereits angelegt, von den Pausen bis zum Timing. Hinzu kam, dass ich mit Dany Boon einen alten Hasen als Spielpartner hatte. Die Arbeit ging fast von alleine über die Bühne.

Ricore: Was zeichnet die Arbeit an einer Komödie im Vergleich zu anderen Genres aus?

Kruger: Die Arbeit war sehr körperlich, was ich nicht erwartet hatte. Ein weiteres Merkmal ist die Überzeichnung. Alles ist ein bisschen größer angelegt als etwa in einem Drama.

Ricore: Haben Sie das Gefühl, dass Sie nun für anders gelagerte Projekte entdeckt werden?

Kruger: Ich weiß nur, dass ich schon immer eine Komödie machen wollte. Mir ist aber bewusst, dass ich nicht Louis De Funès bin. Ich bin auch kein Stand-Up-Comedian wie Dany Boon, der ein Live-Publikum zum Lachen bringen kann. Ich würde mir das niemals zutrauen, aber ich liebe Komödiantinnen wie Kristen Wiig und Cameron Diaz. "Brautalarm" ist einer meiner Lieblingsfilme der letzten zwei Jahre und wollte schon immer so etwas Ähnliches machen.


Diane Kruger probiert ihr komödiantisches Talent ("Der Nächste, bitte!")

SquareOne Entertainment

Ricore: Eine Komödie setzt auch voraus, über sich selbst und seine eigene Körperlichkeit lachen zu können. Mussten Sie da eine innere Hürde überwinden.

Kruger: Nein, das war für mich das Einfachste. Als ich mit der Schauspielerei angefangen habe, wollte ich nur ernste und vielschichtige Rollen spielen. Ich wollte beweisen, dass ich schauspielern kann. Nach zehn Jahren in der Branche habe ich heute keine Probleme damit, über mich selbst zu lachen. Wenn man hundertprozentig mit sich im Reinen ist, dann ist es sogar sehr befreiend, ein Clown zu sein.

Ricore: Worin unterscheidet sich der deutsche vom französischen Humor?

Kruger: Das ist eine schwierige Frage. Ich lebe seit 20 Jahren in Frankreich und habe schon sehr lange keine deutschen Komödien gesehen. Ich habe das Gefühl, dass sich der deutsche und der französische Humor ähneln. Danys "Willkommen bei den Sch'tis" ist auch in Deutschland sehr gut gelaufen. Wenn dieses typisch französische Thema, der Konflikt zwischen dem Norden und Süden Frankreichs, auch hier so gut ankommt, dann muss der Humor ähnlich sein.

Ricore: In Frankreich laufen keine deutschen Komödien?

Kruger: Ich zumindest habe noch keine deutsche Komödie in Frankreich gesehen.

Ricore: Sind Sie schon mal in Frankreich mit dem Vorurteil konfrontiert worden, dass die Deutschen keinen Humor haben?

Kruger: (lacht) Ja, aber was soll ich dazu sagen. Wir sind ja auch Nazis. Das sind Klischees, die von Menschen bedient werden, ohne dass sie die Deutschen wirklich kennen würden.

Ricore: Werden Sie in Frankreich als deutsche oder als französische Schauspielerin wahrgenommen?

Kruger: Wenn ich in einem guten Film mitspiele, dann bin ich fancaise, bei einem weniger guten Film eine franco-allemande (lacht).

Ricore: Synchronisieren Sie Ihre Rollen selbst?

Kruger: Wenn ich Zeit habe, dann mache ich das selbst. Bei "Der Nächste, bitte" habe ich mich nicht selbst synchronisiert. Mittlerweile hat man eine deutsche Stimme für mich gefunden, die mir sehr ähnlich ist.

Ricore: Stimmt es, dass Sie sich Ihre Figuren erarbeiten, indem Sie fiktive Biographien für sie verfassen?

Kruger: Ja, das stimmt. Das habe ich von Ed Harris und Quentin Tarantino gelernt. Für mich macht das sehr viel Sinn. Ich war mal mit Quentin beim Abendessen, wobei er die ganze Zeit über meine Rolle in "Inglourious Basterds" gesprochen hat. Woher die Figur kommt, was sie tut - all das sieht man im Film zwar nicht. Dadurch dass ich es aber wusste, haben für mich viele Szenen mehr Sinn gemacht. Außerdem konnte ich die Rolle mit viel mehr Überzeugung darstellen. Eines meiner nächsten Projekte ist die Serie "The Bridge". Darin spiele ich eine Figur, die ein bisschen sozial unbeholfen ist (lacht). Ich habe die Rolle nur unter der Bedingung angenommen, dass der Autor mir einen Essay über die Vergangenheit der Figur verfasst. Das hat mir viel geholfen.


Dany Boon mit Diane Kruger in "Der Nächste, bitte!"

SquareOne Entertainment

Ricore: Handelt es sich um eine Serie oder einen TV-Mehrteiler.

Kruger: Es ist ein Mehrteiler, der aus zehn Episoden bestehen wird. Für die Drehzeit sind ungefähr drei Monate anberaumt.

Ricore: In einer romantischen Komödie geht es auch viel um Flirten. Was ist ein gelungener Flirt und ab wann ist die Grenze zum Sexismus überschritten?

Kruger: Das muss jeder selbst wissen. Wenn Sie mir etwas sagen, dass mir nicht gefällt, dann müssten Sie sich bei mir entschuldigen. Auch wenn Sie es vielleicht nicht böse gemeint haben. Wenn ich darüber lache, dann war es in Ordnung. Das muss jeder für sich entscheiden.

Ricore: Wurden Sie schon mal gestalkt?

Kruger: Es gab mal ein paar Leute, die bei mir in Paris vor der Tür übernachtet haben. Ich habe auch einen etwas verrückten älteren Fan. Er schickt mir ständig irgendwelche Spielzeug-Panzer und erotischen Hefte. Außerdem nennt er mich immer 'Kaiserin'. Es ist alles ein bisschen seltsam. Zum Glück ist er noch nicht vor meiner Tür aufgetaucht.

Ricore: Seit wann haben Sie diesen Fan?

Kruger: Er schreibt mir seit ungefähr fünf Jahren regelmäßig. Die Briefe sind aber nicht an mich persönlich adressiert, sondern an meine Agentur in Frankreich. Letzte Woche habe ich einen Brief bekommen, der eine Plastikfigur von Marie Antoinette und dazu den Satz enthielt: 'Schön, aber gefährlich' (lacht).

Ricore: Finden Sie das nicht beängstigend?

Kruger: Das wäre es vielleicht, wenn die Briefe an mich persönlich adressiert wären. Trotzdem ist es ein bisschen gruselig.

Ricore: In "Der Nächste, bitte" spielen auch einige Massai mit. Wie waren die Dreharbeiten mit ihnen?

Kruger: Das war ein unglaublicher Kulturschock.

Ricore: Im Abspann kann man sehen, dass die Arbeit nicht ohne Komplikationen verlief. Eine Szene mit einem Massai musste offenbar öfters wiederholt werden.

Kruger: Das war kein Massai. Er war angeblich Schauspieler aus Nairobi, den man extra auf das Filmset hat einfliegen lassen. Die Szene im Film dauert ungefähr zwei Minuten, für die wir aber bestimmt zweieinhalb Stunden Drehzeit brauchten. Der Mann war überhaupt kein Schauspieler, verstand kein Wort Englisch war viel zu beeindruckt vom Dreh. Wir haben Tränen gelacht, was die Arbeit noch mehr in die Länge zog.


Sexy Diane Kruger in "Der Nächste, bitte!"

SquareOne Entertainment

Ricore: Wird in "Der Nächste, bitte" eigentlich eine echte Massai-Hochzeit gezeigt?

Kruger: Ja, sie ist authentisch.

Ricore: Könnten Sie sich vorstellen, so zu heiraten?

Kruger: (lacht) Nein, danke.

Ricore: Wie sähe Ihre Traumhochzeit aus?

Kruger: Es gibt noch keinen Traum von einer Hochzeit.

Ricore: Haben Sie sich schon mal um einen Mann bemüht und was war das Verrückteste, das Sie dabei unternommen haben?

Kruger: Ich bemühe mich ständig um die Männer, mit denen ich in einer Beziehung bin (lacht). Zuletzt bin ich während der Dreharbeit zu "Der Nächste, bitte" von Kenia nach Vancouver geflogen. Ich war ich 20 Stunden mit dem Flugzeug unterwegs, verbrachte 46 Stunden in Vancouver, um dann weiter nach Moskau zu fliegen, wo die Dreharbeiten weitergingen.

Ricore: Können Sie den Aberglauben der Figuren im Film nachvollziehen?

Kruger: Nein, ich bin überhaupt nicht abergläubisch.

Ricore: Dabei wird das Schauspielern gerne nachgesagt.

Kruger: Das stimmt und ich kenne viele Schauspieler, die abergläubisch sind. Mein Leben ist aber schon kompliziert genug, da will ich mir nicht auch noch durch irgendwelchen Aberglauben Steine in den Weg zu legen.

Ricore: Sie leben seit einigen Jahren in den USA. Fällt das Leben als Star dort leichter als in Europa?

Kruger: Ich werde wohl mein Leben lang einen Fuß in den USA haben, zu Hause fühle ich mich aber in Europa, und zwar in Paris.

Ricore: Sind Sie glücklich mit Ihrer Karriere?

Kruger: Ich habe das Gefühl, dass ich da bin, wo ich sein sollte.

Ricore: Vielen Dank für das Gespräch.
Von  Willy Flemmer, Filmreporter.de,  22.03.2013

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