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Interview

Gelöst: Ron Howard mit Produzent Brian Grazer auf der US-Premiere
Buena Vista International (Germany)

Ron Howard über The Comeback

Ich war und bin Künstler
Oscar-Preisträger Ron Howard zählt zu Hollywoods einflussreichsten Regisseuren. Mit Filmen wie "A Beautiful Mind - Genie und Wahnsinn", "Apollo 13" oder "Der Grinch" schuf er Blaupausen für das US-Popkornkino, die zwischen massentauglicher Unterhaltung und pathetischen Szenen immer auch Kassenknüller wurden. So auch sein neuester Film "Das Comeback", in dem sich der gefallene Boxprofi Jim Braddock (Russell Crowe) während der Weltwirtschaftskrise wieder ganz nach oben kämpft. Bei den Filmfestspielen in Venedig 2005 sprachen wir mit dem 51-jährigen Filmemacher über die wahren Hintergründe der Geschichte.
Von  Johannes Bonke/Filmreporter.de,  8. September 2005
Ricore: Mr. Howard, warum haben Sie nach "Beautiful Mind" erneut mit Russell Crowe gearbeitet?

Ron Howard: Er hat mir das Drehbuch vorgeschlagen! Jim Braddock war eine Person, die er immer spielen wollte. Ich persönlich kannte den Boxer aus Erzählungen meines Vaters, der zur Zeit der großen 30er-Jahre-Depression in der Nähe von Oklahoma aufwuchs. Er war zeitlebens Boxfan - und der erste Kampf, an den er sich erinnern konnte, war der Schwergewicht-Meisterschaftskampf zwischen Braddock und "dem Killer" Max Baer. Er selbst fuhr damals neun Meilen, um sich den Kampf im Radio anhören zu können. Eine Nation stand Kopf und drückte ihrem "Cinderella Man" die Daumen.

Ricore: Sind Sie ein politischer Mensch?


Howard: Ich verfolge mit großem Interesse das Tagesgeschehen und diskutiere auch ständig mit meiner Frau. Als Mitglied der Demokratischen Partei vertrete ich allerdings eine sehr gemäßigte Position und treffe meine Entscheidungen von Fall zu Fall unterschiedlich. Amerika durchlebt eine schwierige Zeit. Ich persönlich habe nie für Bush gestimmt und bin ehrlich gesagt auch kein großer Fan von ihm. Menschen wie er erinnern uns daran, dass es sehr wichtig ist, wer zum Präsidenten gewählt wird. Ganz unabhängig von dem, wie wenig oder wie viel Einfluss man in dieser Position normalerweise ausüben kann.

Ricore: Bei Ihrer letzten Zusammenarbeit mit Russell Crowe hagelte es vier Oscars. Ein Ziel, das Sie sich dieses Mal wieder gesetzt haben?


Howard: Ich persönlich könnte einen zweiten Oscarfilm ganz gut gebrauchen. (lacht) Als Regisseur hoffe ich natürlich, dass mein Film so viel Anerkennung wie möglich bekommt. Manchmal kann ein Werk gelungen sein, und man weiß trotzdem, dass es nicht das Genre ist, das die Acamady auszeichnen würde. Bei "Das Comeback" wäre es rein theoretisch möglich. Unter anderem auch, weil Russell Crowe physisch wie mental genau der Richtige für diese Rolle war.

Ricore: Auch privat machte der Weltstar mit Prügeleien von sich reden. Nach einer Auseinandersetzung knallte er unlängst dem Angestellten eines New Yorker Hotels ein Telefon gegen den Kopf - und muss sich nun wegen Körperverletzung vor Gericht verantworten. Wie erklären Sie sich sein Verhalten?


Howard: Es fällt mir schwer, eine Meinung darüber zu fällen, da ich ihn so eigentlich nicht kenne. Es macht mich traurig, dass er offenbar mit sich selbst zu kämpfen hat. Manche Menschen sind einfach so veranlagt, dass sie ständig in Konflikte geraten.


Ricore: Wie viele Telefonate mussten Sie führen, um die Schauspielkarriere Ihrer Tochter Bryce Dallas Howard ins Rollen zu bringen?

Howard: Bis auf die Tatsache, dass sie in der Branche aufgewachsen ist, musste ich ihr gar nicht helfen. Eine kleine Anekdote dazu: Ich erinnere mich daran, wie ich sie seinerzeit zur Aufnahmeprüfung der Schauspielschule gebracht habe. Sie sollte einen zweiminütigen Monolog vorsprechen und auf dem Weg dorthin bat ich sie um eine Kostprobe. Sie sträubte sich dagegen und wir diskutierten mehrere Minuten hin und her. Irgendwann brüllte ich sie an: "Ich bin ein verdammter Top-10-Regisseur! Und ich will meiner Tochter zum Teufel noch mal sagen, was sie verbessern kann." Sie tat mir den Gefallen nicht - und wurde trotzdem genommen. Das dürfte Ihnen einen Hinweis darauf geben, wie sehr ich meiner Tochter geholfen habe, bzw. ihr helfen durfte. (lacht)

Ricore: Könnten Sie sich vorstellen, eines Tages mit ihr zu arbeiten?


Howard: Nachdem sie sich jetzt mit "The Village - Das Dorf" und "Manderlay" etabliert hat, würde ich das sehr gerne tun. Vorher habe ich mich immer dagegen gestäubt. Hätte einer meiner Filme ihr den Durchbruch verschafft, wäre sie das "Sofia Coppola-Stigma" nie wieder losgeworden. Nun könnten sich aber ganz andere Probleme auftun: Vielleicht wird sie zu teuer für mich. Oder sie beantwortet vor lauter Termine meine Anrufe nicht mehr! (lacht)

Ricore: Derzeit sind Sie noch mit der Verfilmung von Dan Browns Bestseller "The Da Vinci Code" beschäftigt. Kann man so ein Buch überhaupt verfilmen?


Howard: Ich gebe mein Bestes. Ich war, viele andere Leser auch, von der Story tief beeindruckt und dachte mir, dass diese komplexe Dramaturgie einen hervorragenden Film ergeben könnte. Ich hoffe, dass ich mit dem Film genauso wichtige Fragen aufwerfen kann wie es das Buch geschafft hat.

Ricore: Warum haben Sie gerade Tom Hanks in der Hauptrolle besetzt?


Howard: Er war der erste, an den ich während des Lesens denken musste. Ich treffe solche Entscheidungen immer intuitiv, nie bewusst.

Ricore: Dreharbeiten im Louvre werden nur sehr selten genehmigt. Hatten Sie Erfolg?


Howard: Zum Glück, und stellen Sie sich vor: Nachdem wir dort fertig waren, applaudierte Mona Lisa, zwinkerte mit dem Auge und flüsterte uns zu: Gute Arbeit, Jungs! (lacht)

Ricore: Sie sind seit dreißig Jahren im Geschäft und gelten als versierter Filmhistoriker. Welche Filmszene hat Sie am meisten beeindruckt?

Howard: Eine der besten Szenen in der gesamten Kinogeschichte ist für mich der Moment, in dem Jack Nicholson in "Einer flog über das Kuckucksnest" das Baseballspiel im Fernsehen sehen möchte, die Wärter ihn aber daran hindern. Er ist so verärgert, dass er aufspringt und für die Insassen das Spiel nachahmt. Alle eifern mit - und schlagen so die Institution mit ihrer eigenen Vorstellungskraft. Fantastisch!
Von  Johannes Bonke/Filmreporter.de,  8. September 2005

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