A Most Violent Year - 2014 | FILMREPORTER.de
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A Most Violent Year

OriginaltitelA Most Violent Year
GenreAction, Krimi
Land & Jahr USA 2014
Kinostart    19.03.2015 (SquareOne Entertainment )
FSK & Länge ab 12 Jahren • 125 min.
RegieJ.C. Chandor
DarstellerOscar Isaac, Jessica Chastain, David Oyelowo, Alessandro Nivola, Albert Brooks, Elyes Gabel
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Reifster Film von Indi-Filmemacher J.C. Chandor

Abel Morales (Oscar Isaac) ist auf dem Weg nach oben. Während New York in Verbrechen und Korruption versinkt, will er sich ein Firmenimperium aufbauen und gemeinsam mit seiner Frau Anna (Jessica Chastain) und seinen Kindern die Sonnenseite des Lebens genießen. Den ersten Schritt der Expansion seines Heizöl-Konzerns hat der Latino-Einwanderer mit der Anzahlung für ein Industriegelände gerade getätigt. Das Grundstück liegt am Fluss, was ihm gegenüber seiner Konkurrenz einen Wettbewerbsvorteil verschaffen würde.

In vier Wochen muss er den Restbetrag begleichen. Doch dann werden seine Tanklaster ausgeraubt, deren wertvolle Fracht verschwindet spurlos. Hinzu kommt, dass die Staatsanwaltschaft gegen Morales ermittelt. Weil er von allen Seiten bedrängt wird, springen bald auch noch Morales Kreditgeber ab.
Mit "A Most Violent Year" legt einer der talentiertesten Filmemacher des US-amerikanischen Kinos, J.C. Chandor, seinen dritten und bisher reifsten Spielfilm vor. Dabei knüpft der Regisseur mit dem Drama thematisch an seinen Wirtschaftsthriller "Der große Crash - Margin Call" und das Segler-Drama "All Is Lost" an. Hier wie dort geht es um Menschen, die in einer existenziellen Krise ums Überleben kämpfen. Während der Kampf des von Robert Redford verkörperten Seglers auf offener See in "All is Lost" vor allem physischer Natur ist, muss Morales wie zuvor schon die jungen Investment-Banker in "Der große Crash" moralisch in einem unberechenbaren wie korrupten System bestehen.

Vor dem historischen Hintergrund des offiziell gewalttätigsten Jahres in der Geschichte New Yorks bewegt sich der aufstrebende Geschäftsmann zwischen zwei Welten. Mit dem Ziel, sein Unternehmen mit legalen Mitteln zu expandieren, wird er auf der einen Seite von skrupellosen Managern bedrängt und dazu verführt wird, sich selbst auf die schiefe Bahn zu begeben. Auf der anderen Seite lauern die Behörden, die ihm bei der Verfolgung seiner Ziele das Leben schwermachen. Dabei hat Morales alles andere als eine weiße Weste. Nicht nur ist er mit der Tochter eines berüchtigten Gangsters verheiratet. Dem Schwiegervater hat er einst dessen Ölfirma abgekauft. Zudem hat er auf seinem Weg nach oben immer wieder die Grenzen der Legaliät ausgelotet, wie es im Film augenzwinkernd heißt. Hinzu kommt, dass seine Frau - wenn auch ohne sein Wissen - die Haushaltsbücher gefälscht und aus den Firmeneinnahmen eine nicht unbeträchtliche Summe abgezweigt hat.

Dennoch sticht Morales aus seinem Umfeld heraus. Wenn das äußere Erscheinungsbild und das Benehmen des Mannes auch Assoziationen an die skrupellosen Gangster aus Francis Ford Coppolas "Pate"-Universum wecken, lässt Chandor dennoch keinen Zweifel daran, dass es sich bei seinem Unternehmer um einen Mann mit Prinzipien handelt. Bis zuletzt wehrt sich Morales gegen die um sich greifende Gewalt. Nicht nur widersetzt er sich vehement gegen die Forderung eines Speditionsunternehmers, seine Fahrer zu bewaffnen, er weist auch seine Frau entschieden in die Schranken, als diese sich zum Selbstschutz eine Pistole beschafft.

Seine ökonomischen Ziele will Morales nicht mit Gewalt erzwingen, sondern einzig mit moralisch und gesetzlich vertretbaren Mitteln, die auf festen Lebensprinzipien im Allgemeinen und bewährten Marketing-Strategien im Speziellen fußen. Wenn ihr von einem Kunden was zu trinken angeboten bekommt, dann bestellt keinen Kaffee, sondern Tee, trichtert er seinen Firmen-Vertretern ein. Warum, fragt ein Greenhorn? Um ihnen den Eindruck zu vermitteln, dass sie ihre Ware von den Besten bestellen. Das erreicht man, indem man selber hohe Ansprüche stellt. Dann schaut ihnen lange in die Augen und haltet dem Blick stand. Das sind nicht die Methoden eines Gangsters, es ist die Handlungsmaxime eines überlegt agierenden Geschäftsmannes.

Chandor hat mit "A Most Violent Year" keinen dramatisch zugespitzten Wirtschaftsthriller inszeniert, sein Ansatz ist im Gegensatz realistisch. Nicht umsonst fühlt man sich angesichts der ruhigen Erzählweise seines Dramas an die Filme der New-Hollywood-Bewegung erinnert, an Martin Scorseses "Taxi Driver" etwa oder die New-Yorker Filme von Sidney Lumet. Seine Figuren sind einerseits filmhistorisch konnotiert, andererseits sind sie so griffig, als seien sie dem Leben entnommen. Morales' Anwalt (Albert Brooks), der von David Oyelowo verkörperte Staatsanwalt, selbst die Gangster-Unternehmer entsprechen nicht einem einfachen Gut-Böse-Schema, sondern sind Menschen aus Fleisch und Blut. Keine Szene verdeutlicht dies besser als jene, in der Morales sich mit der Konkurrenz in einem Lokal zur Verhandlung am runden Tisch trifft. Während diese Standardszene im klassischen Gangsterfilm oftmals in Droh-, Rache- und Versöhnungs-Gebärden der einzelnen Parteien mündet, appelliert der menschelnde Morales kleinlaut: 'Damit ihr morgen in den Spiegel schauen könnt.'

Mit New Hollywood hat Chandor auch den genauen Blick für das Milieu gemein. New York ist bei ihm längst nicht mehr der Schauplatz des oft beschworenen Amerikanischen Traums; die Stadt ist ein Moloch, in dem der Einzelne kaum andere Optionen hat, als im Sumpf des Verbrechens zu versinken. Chandor findet eine passende filmische Form für die Befunde jener Zeit. Die von Kameramann Bradford Young ("Selma") fotografierten Bilder sind so düster wie das Soziotop, in der das Geschehen angesiedelt ist, so unterkühlt wie die eiskalte Winterlandschaft - während der Film insgesamt von einer Fatalität durchdrungen ist, die so schwer am Menschenleben hängt wie der gelbe Mantel am Parvenü Morales.
A Most Violent Year

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A most violent Year - Der offizielle Trailer

Abel Morales (Oscar Isaac) will mit seiner Heizöl-Firma expandieren. Mit der Anzahlung für ein Industriegelände hat er den ersten Schritt schon getan. Den...  Clip starten
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"A Most Wanted Man" ist der dritte und bisher reifste Spielfilm des US-Independent-Filmemachers J.C. Chandor nach "Der große Crash - Margin Call" und "All Is Lost". mehr
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