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Feature
Twilight - Biss zum Morgengrauen
Concorde Filmverleih

Tops und Flops des Kinojahres 2009

Erwartungen erfüllt?

Das Filmjahr 2009 fing für die meisten Kritiker und Filmfreunde am 15. Januar 2009 mit einer Vampir-Überraschung an. Stephenie Meyers konservativ gehaltenes Jugendbuch "Twilight - Biss zum Morgengrauen" wurde akribisch vorbereitet und kam dann mit wenig Trara in die Kinos. Die Produzenten setzten auf die Anziehungskraft seiner Hauptdarsteller Robert Pattinson und Kristen Stewart. Dies zahlte sich aus. Millionen von Fans stürmten die Kinos und lösten eine Massenhysterie aus.
Von  Andrea Niederfriniger, Filmreporter.de,  30. Dezember 2009
New Moon - Biss zur Mittagsstunde
Concorde Filmverleih
New Moon - Biss zur Mittagsstunde

Massenhysterie und Tränen

Die Folge der "Twilight"-Hysterie war: Allein in Deutschland zog das Spektakel knapp drei Millionen Besucher in die Kinos. Schnell wurde die kritische Regisseurin Catherine Hardwicke durch den sanftmütigen Chris Weitz ersetzt, der dann ganz im Sinne der Produktionsfirma Teil zwei und drei am Stück abdrehte und dafür sorgte, dass die "Twilight"-Welle nicht abbrach. So war das Jahr noch nicht verstrichen, schon kam "New Moon - Biss zur Mittagsstunde" in die Kinos. Die vielen Skandälchen rund um das Duo Pattinson/Stewart sorgten dafür, dass "Twilight" über das Sommerloch nicht vergessen wurde. So wurden Liebesgerüchte gestreut, angebliche Alkoholprobleme eingehend betrachtet und skandalträchtige Partys gefeiert.

Die Werbemaschine hat funktioniert. Denn am 26. November 2009 warteten hysterisch kreischende Teenies in Scharen vor den Kinos, um ja die besten Plätze zu ergattern. Tatsächlich gelang es dem zweiten Teil der Meyer-Trilogie, die Einspielergebnisse des Vorgängers zu übertreffen. Dass Filmkritiker ob der Qualität alles andere als begeistert waren, nahmen wahre "Twilight"-Fans - wenn überhaupt - nur mit einem Lächeln zur Kenntnis. Denn überall wo Pattinson, Stewart und der Neue im Dream-Team, Taylor Lautner, auftauchten, musste man sich Ohrstöpsel und Körperschutz besorgen. Es wurde gedrängelt und gekreischt, dass selbst konzerterprobte Zaungäste die Hände über dem Kopf zusammenschlugen.


Ice Age 3 - Die Dinosaurier sind los
20th Century Fox
Ice Age 3 - Die Dinosaurier sind los

Sid erobert die Leinwand

Still wurde es danach zwar nicht, dennoch ging es ruhiger zur Sache. So geschah im Sommer, der allgemeinhin nicht unbedingt für kassenträchtige Filme steht, ein Wunder. "Illuminati", "Harry Potter und der Halbblutprinz" und "Ice Age 3 - Die Dinosaurier sind los" lockten weit mehr Zuschauer in die Kinos als "Twilight". Dass der sechste Teil der Zauberlehrlingssaga erneut an Qualität einbüßte, schien niemanden zu interessieren. Denn mittlerweile gehören die Verfilmungen von J.K. Rowling quasi schon zum Kinoinventar. Der Herbst des Kinojahres 2009 stand dann ganz im Zeichen deutscher Produktionen: Ob "Wickie und die starken Männer", "Die Päpstin" oder die Mario Barth Komödie "Männersache", alle konnten sich gegenüber amerikanischer Exporte behaupten. Selbst Til Schweigers "Keinohrhasen"-Fortsetzung "Zweiohrküken", der erst am 3. Dezember an den Start ging, wusste sich durchzusetzen.


Avatar - Aufbruch nach Pandora
20th Century Fox
Avatar - Aufbruch nach Pandora

Neue Technik: 3D und Performance Capturing

Nicht so gut lief es hingegen für groß angekündigte, teuer produzierte Blockbuster aus Hollywood. Zwar konnten "Transformers - Die Rache", "Terminator - Die Erlösung" und "G.I. Joe - Geheimauftrag Cobra" noch recht stolze Einnahmen verzeichnen, gemessen an ihren Ausgaben lagen sie jedoch weit hinter den Erwartungen zurück. Daher setzte man alle Hoffnungen auf zwei Produktionen, in denen viel Zeit und noch mehr Geld hineingesteckt wurde und die gegen Ende des Jahres in die Kinos kamen. Roland Emmerichs Endzeitdrama "2012" und James Camerons Science-Fiction-Epos "Avatar - Aufbruch nach Pandora" sollten die Schande der vorhergehenden Filmflops beheben. Dies gelang ihnen vortrefflich. Zumal auch hier die zum Teil harschen Worte von angesehenen Filmkritikern an Filmfans abprallten. Es bewahrheitete sich also erneut, dass Kassenerfolge nicht immer mit der Qualität des Films übereinstimmen müssen.


Slumdog Millionär
Prokino Filmverleih
Slumdog Millionär

Kleine, feine Filme

Glücklicherweise hielt das Jahr 2009 auch anspruchsvolle Filme wie "The Wrestler" oder "Slumdog Millionär" parat. Allerdings war Mickey Rourkes einprägsames Portrait eines abgehalfterten Wrestlers an den Kinokassen weit weniger erfolgreich, als es die vielen positiven Kritikerstimmen vermuten ließen. Damit das Kinopublikum zwischen den vielen qualitätsvollen Beiträgen wieder mal lachen konnte, streute man das Las-Vegas-Abenteuer "Hangover" ein. Ein Glücksgriff, denn die Komödie entpuppte sich als Kassenmagnet und bewies, dass auch oberflächliche Komödien durchaus ihre Daseinberechtigung haben.

2009 geht aber auch als das Jahr in die Geschichte ein, in dem einer der wohl größten und tragischsten Musikkünstler aller Zeiten verstorben ist. Die Rede ist von Michael Jackson, dessen Herz am 25. Juni an einer Überdosis Medikamente aufhörte, zu schlagen. Nur kurze Zeit später ließ seine Familie verkünden, dass die groß angelegte Comeback-Konzertreihe des King of Pop in London als Konzertfilm in die Kinos kam. Die zu "Twilight"-Zeiten überbeanspruchte Werbemaschinerie fing erneut auf Hochtouren an zu arbeiten. Der Musikfilm, ein Zusammenschnitt der Londoner Konzert-Proben, startete weltweit am 28. Oktober. Ursprünglich sollte er nur für zwei Wochen laufen, doch der hohe Ansturm ließ die Macher umdenken und der Film wurde dann doch länger dem Publikum zugänglich gemacht.


Michael Jackson's This Is It
Sony Pictures
Michael Jackson's This Is It

Alles Gute fürs neue Jahr!

Insofern geht 2009 als jenes Jahr in die Geschichtsbücher ein, in dem es Berg- und Talfahrten aller möglichen Gefühle gab. Es gab tolle Independent-Filme, schreckliche Independent-Filme, aber auch Produktionen, die ihren Erwartungen gerecht wurden. Es war von allem etwas da. Wir sind schon gespannt, was uns das Jahr 2010 alles bringen wird. In dem Sinne, wünschen wir allen einen guten Rutsch und alles Gute.
Von  Andrea Niederfriniger, Filmreporter.de,  30. Dezember 2009

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