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Premiere L.A. Vin Diesel
Buena Vista International

Sex-Appeal und Six-Pack

Vin Diesel will 12 Kinder
Bei Filmfans ist umstritten, ob bei dem glatzköpfigen, durchtrainierten Darsteller mit der tiefen Stimme Sexappeal oder Proletengehabe überwiegt. Man kann getrost behaupten, dass die Kinobesucher in zwei Lager gespalten sind. Die einen lieben, die anderen hassen Vin Diesel. Ein Großteil der Frauen würden den braungebrannten Ex-Türsteher wohl nicht vor die Bettkante stoßen. Männliche Zeitgenossen finden schon deswegen weniger Gefallen an ihm. Auch aus Neid auf das oft gezeigte Six-Pack des Hollywood-Stars. Für manchen Actionfan könnte auch die gelegentlich als lächerliche betitelte Rolle in "Der Babynator" ein ausschlaggebender Grund für die Antipathie sein. Dieser schauspielerischen Fauxpas wirkte sich jedoch kaum auf Vin Diesels Karriere aus, der seinen Traum des Action-Helden in die Realität umsetzte.
Von  Barbara Mayr/Filmreporter.de,  6. September 2008
Babylon A.D.
Concorde
Babylon A.D.

Schon als Kind ein Vandale

Vin Diesels Neigung zur Bühne macht sich zum ersten Mal im Alter von drei Jahren bemerkbar. Während eines Zirkusbesuchs will er an der Bühnenshow teilnehmen. Seine Mutter regiert schnell und stoppt ihren Spross. Fünf Jahre später folgt ein weiteres Richtungsgebendes Ereignis. Ob es dem Zufall oder dem zerstörerischen Übermut des Jungen zu verdanken ist, sei dahingestellt. Mit Freunden bricht der Siebenjährige in ein New Yorker Theater ein. Sie werden von einer Frau überrascht, die nicht die Polizei holt, sondern jedem ein Skript und 20 Dollar in die Hand drückt. Die Bedingung ist, dass die Teenager zukünftig jeden Tag nach der Schule bei den Proben erscheinen. So beginnt unfreiwillig die Karriere im bezahlten Schauspielgeschäft. Die Jugendzeit verbringt er anders, als viele andere Nachwuchsdarsteller: Werbespots und Fernsehauftritte interessieren ihn nicht, er perfektioniert lieber seine Schauspiel-Künste auf der Theaterbühne. Als 17-jähriger verdient er sein Geld als Türsteher in einer der hippesten Diskothek Manhattans. Dafür muss er viel trainieren, was ihm später zugute kommen wird. Sein gestählter Körper ist ein gutes Kapital für spätere Kampfszenen. Wie er zugibt, stammt auch sein stark entwickeltes Selbstbewusstsein aus dieser Zeit. Denn er hängt meist mit Mädchen ab, während er auf ordentlichen Schauspieler-Jobs wartet. In den ruhigen Phasen seines Jobs - zwischen dem Besänftigen von Leuten und ihrer Einweisung ins Krankenhaus - findet er Zeit, sich mit Albert Camus zu beschäftigen. So ergründet er seinen Platz in der Figurenwelt der Schauspielerei: Er will Superheld werden.


Babynatorin in München: Vin Diesel
Roman Märzinger
Babynatorin in München: Vin Diesel

Meilensteine Filmfestivals

Am Hunter College in New York schreibt sich Diesel in die Theaterklasse ein, später wechselt er zum Hauptfach Englisch. Dies sollt seine Entwicklung als Drehbuchautor vorantreiben. Was das Lesen betrifft, verhilft ihm nicht nur Camus' Werk zur Selbst-Findung, einem weiteren Buch misst er eine große Bedeutung zu. Den Inhalt von "Feature Films at used Car Prices" von Rick Schmidt setzt er prompt in die Tat um: Er schmeißt nach drei Jahren das College und macht 1994 sein Filmdebüt "Multi-Facial". Er schreibt das Drehbuch in fünf und dreht den Kurzfilm in weniger als drei Tagen. Die Musik macht er selbst, genau wie die Verpflegung der Crew. Die Produktionskosten belaufen sich auf rund 3.000 Dollar. Die Story des Films kommt aus dem Herzen des Amerikaners aus italienisch-afroamerikanischer Herkunft, der nie seinen leiblichen Vater kennenlernt hat: Multikulturalität und Identität. Lediglich in einem Museum in Manhattan wird der Film vor 200 Zuschauern vorgeführt. Danach wird er bei dem Internationalen Filmfest von Cannes im Jahr 1995 angenommen, was Diesel zum ersten Mal nach Europa führt. Das Fest markiert einen wichtigen Wendepunkt in seiner Laufbahn. Bei der Präsentation von "Multi-Facial" wirft Regisseur Steven Spielberg ein Auge auf das Jungtalent. Zurück in Los Angeles stürzt sich Diesel wieder in die Arbeit. Er beendet das Drehbuch zu "Strays", das er noch vor seinem Erstlingswerk begonnen hatte. Innerhalb von acht Monaten treibt er mit einem Freund die nötigen finanziellen Mittel auf, um den Film zu produzieren. Er wird 1997 am Sundance Film Festival angenommen. Das Festival ist ein weiterer Meilenstein in Vin Diesels Karriere, denn dort trifft er den späteren ausführenden Produzenten von "Pitch Black - Planet der Finsternis".


Vin Diesel
Buena Vista International
Vin Diesel

Vom Roboter zum Mörder

Vin Diesel ist mehr als überrascht als er einen Anruf von Steven Spielberg erhält. Der renommierte Filmemacher castet ihn für den eigens kreierten Charakter Adrian Caparzo in "Der Soldat James Ryan" (1998). Es ist Diesels erste große Hollywood-Produktion. Seine Assistentin auf dem Sundance-Festivals verschafft ihm kurz darauf die Sprechrolle des Riesenroboters in "Der Gigant aus dem All". Die Kinderbuch-Verfilmung von Brad Bird bekommt positive Kritiken, scheitert jedoch an den Kinokassen. Die nächste große Rolle wartet bereits: Die Verkörperung des Mörders Richard B. Riddick. Obwohl Universal Studios die Hauptrolle in "Pitch Black - Planet der Finsternis" mit einem namhaften Star besetzen will, schafft es Diesel den Part zu ergattern. Das hat er Regisseur David Twohy und Produzent Ted Fields zu verdanken. Diesel beginnt neben dem Krafttraining mit Pilates und Yoga. Denn für die Verkörperung von Riddick muss er beweglicher werden. Beim Training hört er klassische Musik, was ihm hilft, sich in die Mentalität des Charakters einzuarbeiten. Am Set ist er in seinem Element: Als unnahbarer und furchteinflößender Charakter macht er viele Stunts selbst und geht an seine körperlichen Grenzen. Nach dem ersten Drehtag kleben die Kontaktlinsen, die für das Leuchten in seinen Augen sorgen, an seinen Pupillen fest. Er muss sie von einem Optiker entfernen lassen. Die eisige Kälte des Australischen Winters kostet dem Filmteam große Kraft. Nach drei Wochen Dreharbeiten kehren Cast und Crew zurück in die Warner Roadshow Studios an der warmen Gold Coast Queenslands. Dort wird gerade "Matrix" fertig gestellt. Aufgrund der Dreharbeiten zum Sci-Fi-Thriller "Pitch Black - Planet der Finsternis" versäumt Vin Diesel die Premiere von "Der Soldat James Ryan". Bereits ein Jahr später ist der wortwörtlich rasante "The Fast and the Furious" in den Kinos zu sehen, im Folgejahr erhält Vin Diesel dafür einen MTV Movie Award und den Taurus Award bei den World Stunt Awards. Erfolgs-Regisseur Rob Cohen gewinnt Vin Diesel für ein weiteres Erfolgs-Abenteuer, er wird Xander Cage in "xXx - Triple X".


Babynator im Einsatz...
Buena Vista International
Babynator im Einsatz...

Kritische Rollen...

Drei Jahre und drei "Riddick"-Fortsetzungen später nimmt Vin Diesel eine umstrittene, von vielen Kritikern als Fehlgriff bezeichnete Rolle an. Der Action-Darsteller versucht sich in einem Genre-Wechsel und spielt in seiner ersten Komödie. Er wechselt Baby-Windeln und will sich mit Arnold Schwarzenegger in "Kindergarten Cop" vergleichen. Der Genre-Wechsel des Actionhelden hat nicht funktioniert, schreibt die New York Times. Auch die San Francisco Chronicle gesteht Diesel keine komischen Fertigkeiten zu. Die Rolle als babysittenden Elitesoldaten kommentiert Vin Diesel im Interview mit Filmreporter.de folgendermaßen: "Ich wollte endlich einen Film machen, den auch meine Nichten und Neffen sehen dürfen." Nach dem Reinfall versucht er sich erneut als Produzent und Darsteller im Gerichtsdrama "Find me guilty". Sowohl bei dem zweiten Teil von "The Fast and the Furious" als auch der Fortsetzung von "xXx - Triple X" ist Vin Diesel nicht in der Hauptrolle zu sehen. Er dreht lieber mit Freund David N. Twohy die Fortsetzung von "Pitch Black".


Larenz Tatem und Vin Diesel in: Extreme Rage
Warner Bros.
Larenz Tatem und Vin Diesel in: Extreme Rage

...und abgelehnte Charaktere

Die Liste von Charakteren, für die Vin im Gespräch ist, ist vermutlich so lang wie die Liste seiner weiblichen Fans. Die Rolle von Matt Murdock/Daredevil in "Daredevil" will er nicht. Die nimmt Ben Affleck. Der ist auch sein Gegenüber beim Casting von "Wild Christmas", bei dem Diesel seine Mitarbeit nach wenigen Tagen beendet. Er bezweifelt die Potenz des Drehbuchs von Ehren Kruger und hat kreative Differenzen mit Regisseur John Frankenheimer. Für "Hellboy" wollen ihn zwar die Produzenten, Guillermo del Toro droht jedoch, die Regie abzugeben, wenn nicht Ron Perlman die Rolle bekommt. Mittlerweile arbeitet Vin Diesel an eigenen Projekten. Bei "Hannibal the Conqueror" führt er Regie, produziert und ist Titelheld. 2009 kommt das historische Epos ins Kino. Dafür ist er sogar durch die europäischen Alpen gereist. Auch eine Fortsetzung von "The Fast and the Furious" wird es geben. Vin Diesel scheint in seinem Beruf glücklich zu sein. Sein privates Glück teilt er mit seiner Freundin, dem 24-jährigen Model Paloma Jimenez. Außerdem ist er seit dem 2. April 2008 Vater. Er liebt seine neue Rolle und wünscht sich noch mehr Nachwuchs, zwölf Kinder sollen es am Ende sein. Seine Vaterschaft sporne ihn dazu an, ein besserer Mensch zu werden, so der Schauspieler. "Es ist ein unglaubliches Gefühl, denn alles was ich mache sind Filme. Das die Leute sie schätzen, ist für mich wie ein Traum, der wahr geworden ist."
Von  Barbara Mayr/Filmreporter.de,  6. September 2008

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