20th Century Fox
Robert Gwisdek
Auf das wie kommt es an
Interview: Robert Gwisdek legt sich nicht fest
Nachwuchsschauspieler Robert Gwisdek macht erstmals im Jahr 2005 in Leander Haußmanns "NVA" auf sich aufmerksam. Der Sohn von Schauspielerin Corinna Harfouch und Regisseur Michael Gwisdek ist auch auf Theaterbühnen zu sehen und engagiert sich in der Kleinkunstszene. In "13 Semester" von Frieder Wittich spielt er den gradlinigen Dirk, der dem studentischen Lotterleben nur wenig abgewinnen kann. Mit uns spricht der Berliner über seine wilden Jahre und die Ambivalenz des Schauspielberufes.
erschienen am 6. Januar 2010
20th Century Fox
13 Semester
Ricore: Was haben Sie von den Dreharbeiten zu "13 Semester" noch in Erinnerung?

Robert Gwisdek: Vor allem das Universitätsgelände in Darmstadt hat sich mir ins Gedächtnis eingebrannt. Allein die Aula war unglaublich riesig, mit einem ganz kleinen Rednerpult vorne. Ich konnte mir gut vorstellen, wie es als Student ist, in einer solchen überdimensionalen Räumlichkeit Wissen vermittelt zu kriegen. Für mich war das erschreckend. Lernen durch massenhafte Steno mitschreiben.

Ricore: Ihre Rollenfigur Dirk ist sehr gradlinig. Was halten Sie von Ihm?

Gwisdek: Ich mag ihn, aber ich finde sowieso die meisten Menschen sympathisch. Ich weiß nicht genau wer Dirk ist, da könnte noch sehr viel unter der Facette sein. Feststeht, dass er ziemlich gradlinig in seinen Studienzielen ist. Mehr weiß ich eigentlich gar nicht von ihm.

Ricore: Sind Sie ein verlässlicher Freund?

Gwisdek: Das hoffe ich. In jedem Fall versuche ich, ein verlässlicher Freund zu sein.

Ricore: Sind Sie eher Streber oder Rebell?

Gwisdek: Ich bin ein strebender Rebell oder ein bellender Streber, je nachdem. Wahrscheinlich ein gemorphtes Zwischenwesen.

Ricore: Was haben Sie aus Ihrer Studienzeit noch im Gedächtnis?

Gwisdek: Für ein Lotterleben wie es in "13 Semester" gezeigt wird, blieb mir wenig Zeit. In meinem Studiengang wurde ich extrem gefordert. Meine Partyzeit hat vor dem Studium an der hff-potsdam stattgefunden und hatte sich mit Ablauf meines 17. Lebensjahres erledigt. In meinen Augen hängt Wildheit nicht mit Party und Besäufnis zusammen.
20th Century Fox
Gruppenfoto des "13 Semester"-Teams
Ricore: Haben Sie sich das Schauspielgeschäft so vorgestellt wie Sie es jetzt kennen lernen?

Gwisdek: Ich habe mir im Vorfeld kein genaues Berufsbild gemacht, deshalb kann ich da wirklich wenig zu sagen.

Ricore: Empfinden Sie Ihren Beruf als angenehm?

Gwisdek: Das ist eine sehr komplexe Frage. Der Beruf hat seine Tücken. Man wird in eine Sonderposition gedrängt, manchmal auch unberechtigt, und muss sich dort zurechtfinden. Man kann die Qualität eines Schauspielers schlecht messen. Manchmal wird man für Schwachsinn gelobt und andere Dinge an denen man lange gefeilt hat gehen unter oder funktionieren gar nicht. Andererseits, wenn etwas beginnt zu leben und der Funke überspringt kann das Spielen einen vollkommen wegtragen und fast rauschartig werden. Ein ambivalenter Beruf, vor allem in der heutigen Zeit.

Ricore: Nach welchen Kriterien wählen Sie Ihre Rollen aus?

Gwisdek: Das ist ein Mix aus der jeweiligen Figur, dem Drehzeitpunkt und ob eine realistische Chance besteht die Rolle zu kriegen. Ich bin noch nicht in der Lage mir meine Rollen frei auszusuchen.

Ricore: Fühlen Sie sich wohl im Rampenlicht?

Gwisdek: Unterschiedlich. Oft habe ich im Vorfeld keine Lust. Sobald es aber an ist, passiert irgendetwas mit mir. Das ist dann spannend. Wenn es dann wieder aus ist, habe ich meist keinen Drang es zu wiederholen.

Ricore: Werden Sie auf der Straße erkannt?

Gwisdek: Eigentlich nicht. Vielleicht ein oder zweimal bisher. Es waren lustige Leute, die wohl nicht mal genau wussten woher sie mich kannten. Mein bisheriges Schaffen reicht noch lange nicht aus, um sich an meine Namen zu erinnern.
Delphi
NVA
Ricore: Sie sind der Sohn prominenter Eltern. Fluch oder Segen?

Gwisdek: Beides. Segen, weil ich viel von meinen Eltern lernen kann und ich sie als Personen sehr mag, auch weil sie mich eher freigeistig erzogen haben. Viele Leute verbinden sofort etwas mit meinem Namen, das kann in dem Beruf von Vorteil sein. Auf der anderen Seite steht man unter einem besonderen Druck, weil man seine Eltern mit dem was man tut auf eine gewisse Art und Weise ehren möchte.

Ricore: Wie ist der Kontakt zu Ihren Eltern?

Gwisdek: Wir sehen uns derzeit nicht allzu oft. Der Kontakt ist jedoch sehr gut, herzlich und vertrauensvoll. Meine beruflichen Angelegenheiten regele ich allerdings komplett alleine und bespreche meine Rollen auch nicht mit meinen Eltern. Am Anfang meiner Karriere habe ich viel mit Ihnen diskutiert, ihnen Fragen gestellt und sie haben mir von ihren Erfahrungen erzählt. Mittlerweile stehe ich auf eigenen Füßen.

Ricore: Welche Filme sehen Sie sich an?

Gwisdek: Genres sind mir egal, ich gucke mir alles an, was gut gemacht ist. Egal ob die Filme inhaltlich vollkommen bekloppt sind, wenn sie fein gemacht sind, kann ich vor Begeisterung ausflippen. Ich habe versucht mich durch alle Genres zu gucken und habe festgestellt, dass es überall Perlen gibt. Ein Beispiel ist "Superbad", eine US-Komödie über minderjährige High-School-Kids die Alkohol kaufen wollen und deswegen eine ID-Karte fälschen. Mit dem Alkohol fahren sie auf eine Party und versuchen Mädchen anzumachen. Irgendwann schlafen sie ein und der Film ist zu Ende. Eine Story die mich nicht die Bohne interessiert, aber der Stoff ist extrem gut umgesetzt und ich habe mich zu Tode amüsiert. Die Beteiligten haben es geschafft einen sehr natürlichen Gestus in diese Komödie einzubauen, der mit unglaublich starken Dialogen untermauert wird. Es geht letztlich um das Wie und nicht um das Was.

Ricore: Könnten Sie sich vorstellen, in einer Vorabendserie im Fernsehen mitzuspielen?

Gwisdek: Das ist eine Frage, die ich mir aktuell gerade stelle. Eine Serie muss es nicht gleich sein. Ich tue mich etwas schwer mit dem Gedanken, auch weil ich keinen Fernseher besitze und mich in der deutschen Fernsehlandschaft nicht gut auskenne. Aber auch hier gilt generell, auf das wie kommt es an. Ich weiß, dass es gute US-Serien gibt, allerdings habe ich keine Ahnung, was in Deutschland diesbezüglich passiert. Früher fand ich die Idee extrem abstoßend, jetzt denke ich mir, dass es einzig darauf ankommt, was ich daraus mache. Insgesamt kann ich derzeit keine klare Antwort darauf geben.
20th Century Fox
Robert Gwisdek und Claudia Eisinger
Ricore: Gibt es eine konkrete Option?

Gwisdek: Eventuell. Optionen gibt es immer mal wieder. Bisher habe ich immer abgelehnt, aber aktuell gibt es die Möglichkeit in einer Fernsehreihe mitzuwirken, ob das etwas wird weiß ich jedoch noch nicht. Ich bin unschlüssig, meine Entscheidung verändert sich von Tag zu Tag. Manchmal dreht es mir bei dem Gedanken daran den Magen um, manchmal denke ich: okay, ich mach es. Klare Prinzipien kann ich derzeit nicht zu Rate ziehen, die mir meine Entscheidung erleichtern würden.

Ricore: Wie sieht es mit dem Theater aus?

Gwisdek: Sieht gut aus. Demnächst spiele ich am Schauspielhaus in Köln. Ich mache auch manchmal Straßentheater, kleine absurde Filme, mit meinem Bruder hab ich eine Band namens Käptn Peng da haben wir ein Video zu gemacht und auf youtube gestellt, zudem schreibe ich Drehbücher und Gedichte und baue sehr simple Holzmöbel. Ich versuch mich überall mal reinzufühlen. Einzig in der Malerei bin ich völlig talentfrei. Da muss ich noch mal ran wenn ich älter bin.

Ricore: Wohin soll es gehen mit Robert Gwisdek?

Gwisdek: Ich frag ihn wenn ich ihn treffe. In die Weiterentwicklung meines Schaffens. Privat gibt keine konkreten Familienpläne oder ähnliches. Ich habe geheime Absichten von denen niemand etwas weiß, darüber kann ich natürlich hier nicht sprechen. In fünf Jahren wird die Welt davon erfahren. Man darf einiges erwarten. Nur soviel, ich hoffe in naher Zukunft mal einen eigenen Film zu realisieren.

Ricore: Herr Gwisdek, wir bedanken uns für das Gespräch.
erschienen am 6. Januar 2010
Zum Thema
Robert Gwisdek wird 1984 in Berlin geboren. Im zarten Alter von fünf Jahren steht er erstmals vor der Kamera. Von 2002 bis 2006 studiert er an der Leander Haußmanns "NVA" im Jahr 2005. Robert Gwisdek ist der Sohn der Schauspielerin Corinna Harfouch und des Regisseurs und Schauspielers Michael Gwisdek.
13 Semester (Kinofilm)
Der ereignisreiche Studentenalltag eines angehenden Jungakademikers. Moritz (Max Riemelt) fühlt sich von Lernstress, Wohnungssuche und unerfüllter Liebe geplagt. Zusammen mit Kerstin (Claudia Eisinger), Dirk (Robert Gwisdek) und Bernd (Alexander Fehling) stellt er sich dem Leben. Mit Situationskomik und überzeugender Schauspielleistung gelingt Regisseur Frieder Wittich ein gelungenes Spielfilmdebüt.
2022