Retro-Starportrait: Bébel, der Draufgänger | FILMREPORTER.de
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RETRO Feature

Jean-Paul Belmondo in "...und dennoch leben sie"
Jean-Paul Belmondo: Einmal Nouvelle Vague und zurück

Bébel, der Draufgänger

"Du bist wirklich zum Kotzen!" Mit diesem Satz endet ein Meilenstein der internationalen Filmgeschichte. In "Außer Atem" des französischen Filmpioniers Jean-Luc Godard wird Polizistenmörder Michel Poiccard von seiner Freundin Patricia verraten und anschließend erschossen. Die Rolle des unbekümmerten Draufgängers bekleidet der damals unbekannte Jean-Paul Belmondo. Trotz seines schiefen Grinsens, wulstigen Lippen und der eingedrückter Boxernase ist es der Beginn einer grandiosen Filmkarriere.
Von  Timo Buschkämper, Filmreporter.de, 25. April 2018

Jean-Paul Belmondo in "Der Außenseiter"

Jean-Paul Belmondo in "Der Außenseiter"

Ein Star wird geboren
Belmondo kommt am 9. April 1933 in einem noblen Vorort von Paris, als Sohn eines aus Sizilien immigrierten Bildhauers und einer Tänzerin zur Welt. Renommierte Schriftsteller wie Albert Camus und andere Künstler der damaligen Pariser Bohème geben sich im Atelier des alten Belmondo die Türklinke in die Hand. Der junge Jean-Paul kommt so frühzeitig mit Kunst und Kultur in Berührung. Während seiner Schulzeit gilt er als aufsässig und undiszipliniert, weshalb er mehrmals die Schule wechseln muss. Früh begeistert er sich für Boxen und Fußball. Ab seinem 13. Lebensjahr bestreitet er mehrere Boxkämpfe. Bei einer dieser sportlichen Auseinandersetzungen wird er krankenhausreif geschlagen. Noch im Krankenbett beschließt Jean-Paul sich fortan verstärkt der Schauspielerei zu widmen.

Erste Schritte und eine neue Welle
Bereits in den frühen 1950er Jahren ist Belmondo als Amateurschauspieler tätig, er wird am Pariser Konservatorium aufgenommen. "Schauspielen muss man lernen. Es ist nicht allzu schwer, aber man muss es lernen" weiß Belmondo zu berichten. Zunächst als Nebendarsteller in konventionellen französischen Unterhaltungsspielfilmen eingesetzt, profitiert er bald von dem Entschluss einiger renommierter Filmkritiker, selbst die Regie in die Hand zu nehmen. Auch François Truffaut, Claude Chabrol, Eric Rohmer, Jean-Luc Godard sowie Jacques Rivette rufen die Novelle Vague aus. Sie entwickeln mit geringen Budgets und einer neuen, unkonventioneller Filmsprache eine eigene Ästhetik. Mit wackliger Handkamera, improvisierten Dialogen sowie einer von der Norm abweichenden Schnitttechnik begegnen sie der kommerziellen Filmtradition. Godards "Außer Atem" ist das Manifest der neuen Stilrichtung und Belmondo einer ihrer Identifikationsfiguren. Er verkörpert in der Rolle des Michel Poiccard einen fatalistischen Antihelden, in dem sich besonders das junge Publikum gegen Ende der 1950er Jahre wiedererkennt.

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