Feature
Warner Home Video
The Sopranos, 6. Staffel, Teil 2
TV-Splitter á la "Game of Thrones"
"Breaking Bad" auf dem Vormarsch?
Mafiaboss Toni Soprano (James Gandolfini) klagt bei seiner Therapeutin Dr. Jennifer Melfi (Lorraine Bracco) wieder mal über seine Selbstzweifel. War die Therapie des Soziopaten anfangs noch eine Herausforderung, kommen Melfi langsam Zweifel. Ist es moralisch vertretbar, einen Verbrecher zu therapieren, um ihn dann noch effizienter wieder auf die Gesellschaft loszulassen? Das ist ein Thema von "Die Sopranos". Wir haben mal darüber nachgedacht, warum komplexe US-amerikanische Fernsehserien so erfolgreich sind.
Von  Stefan Huhn, Filmreporter.de,  21. September 2012
Paramount Pictures
Twin Peaks - Die zweite Season (Teil eins)
Komplexität ersetzt Dumpfbacke
Fernsehserien haben bis in die 1990er Jahre meist einen einfachen Aufbau. So sind die Episoden in sich abgeschlossen und nur wenige Motive und Figuren ziehen sich durch alle Staffeln. Beispielhaft dafür sind die US-Krimiserien aus den 1980er Jahre wie "Simon & Simon" und "Ein Colt für alle Fälle". Komplizierter wird es 1990 in David Lynchs verstörender Mystery-Serie "Twin Peaks". Hier wird eine fortlaufende Geschichte erzählt, so dass der Zuschauer möglichst alle Folge sehen muss, um im Bilde zu bleiben. Der Reiz liegt in der ausführlichen Charakterisierung der Figuren und ihrer Entwicklung über einen längeren Zeitraum. Seit Ende der 1990er Jahre etablieren sich Fernsehserien, die gerade wegen ihrer Komplexität eine größere Zuschauerbindung schaffen.

Dazu gehört die von Publikum und Kritik gleichermaßen gelobte Mafia-Serie "Die Sopranos" (1999 bis 2007) des US-amerikanischen Pay-TV-Senders HBO. Dreh- und Angelpunkt ist Mafioso Tony Soprano, der wegen seiner ausgewachsenen Depression eine Therapie beginnt. Dort werden Familienprobleme analysiert aber auch seine Rolle als Mafiaboss besprochen. Zudem wird dem Zuschauer die Funktionsweise der Psychotherapie vor Augen geführt. Wie in US-Fernsehserien üblich, treten regelmäßig Stars in selbstironischen und -referenziellen Gastrollen auf.
Warner Bros.
The Wire - Die komplette 4. Staffel
Harte Cops, intrigante Könige
Auch Krimi-Serien á la "The Shield" und "The Wire" (beide wurden von 2002 bis 2008 Produziert) sind vielschichtig. Sie versuchen den Alltag der US-Polizei so realistisch wie möglich zu vermitteln. "The Shield" handelt von der Arbeit einer Spezialeinheit in Los Angeles, deren Hauptaufgabe die Bekämpfung von Gang-Kriminalität ist. Geleitet wird die Abteilung von Vic Mackey (Michael Chiklis), der mit seinen Männern häufig am Rande der Legalität agiert. Dieser Drahtseilakt bildet den Kern der Krimiserie, die zudem den Einfluss von Politik und Gesellschaft auf die Arbeitsweise der Polizei beleuchtet. In "The Wire" versucht ein Team aus Polizisten mit Abhöraktionen dem Drogenhandel in Baltimore Einhalt zu gebieten. Wie bei "The Shield" legen die Macher Wert auf realistische Charaktere. In düsteren Bildern wird am Beispiel Baltimores aufgezeigt, wie die Kriminalität in den USA ganz Städte in Beschlag nimmt. Auch Fantasy wie die 2011 gestartete Saga "Game of Thrones - Das Lied von Eis und Feuer" punktet mit dem komplexen Aufbau und den vielschichtigen Beziehungsgeflechten. Mit Sean Bean und Peter Dinklage perfekt besetz, kämpfen in dem Fantasy-Epos die Könige der sieben Reiche um die Vorherrschaft. Die intriganten Machtspiele nehmen mit jeder Folge an Dramatik zu. Sie werden vor einer großartigen Kulisse ausgetragen.
Warner Bros.
Sarah Jessica Parker, Cynthia Nixon, Kristin Davis und Kim Cattrall
Sex sells - auch auf der Mattscheibe
Leichter, aber dennoch modern ist die Konzeption einiger frauenaffiner Fernsehserien. So auch "Sex and the City" (1998 bis 2004), in dem eine Gruppe von Frauen in den Dreißigern selbstbewusst und selbstbestimmt mit Sex und Beziehungen hantiert. Auch "Desperate Housewives" (2004 bis 2012) zielt in diese Richtung und ist noch ein bisschen bösartiger, da seine Protagonistinnen äußerst verschlagen sind und auch vor Verbrechen nicht zurückschrecken. Das männliche Pendant ist die 2007 gestartete Serie "Californication", in der Ex-FBI-Mann David Duchovny als sex- und drogensüchtiger Schriftsteller Hank Moody die Glamourwelt Kaliforniens unsicher macht. Diese Fernsehserien vereinen geschickt Komödie und Drama, was vom Publikum mit hohen Einschaltquoten und guten Verkaufszahlen auf dem Videomarkt goutiert wird.
Universal
Dr. House
Altes Konzept - neue Charaktere
Einige konventioneller gestrickte Krimi-Serien funktionieren aber trotz der innovativen Konkurrenz. Das gilt auch für Jerry Bruckheimers "CSI: Den Tätern auf der Spur", bei die Folgen in sich abgeschlossen sind. Neu sind hier der stylische Look, die schnellen Schnittfolgen und die modernen Figuren. Auch Krankenhausserien wie "Dr. House" bieten abgeschlossene Folgen. Aber auch hier gibt es einige übergreifende Elemente. So zieht sich das persönliche Schicksal der Ärzte als roter Faden durch die Staffeln. "Dr. House" zeigt einen weiteren Trend in der Serienlandschaft: Die Darbietung besonders schräger Charaktere. Protagonist Dr. Gregory House ist ein mürrischer, äußerst egozentrischer Arzt. Skurril ist hingegen Privatdetektiv Adrian "Monk", der trotz oder gerade wegen seiner zahlreichen Neurosen ein genialer Ermittler ist. Action-Serie wie "24 - Twenty Four" setzen weitere Serientrends, wie die Synchronität von Erzählzeit und erzählter Zeit.
Sony Pictures Home Entertainment
Bryan Cranston und Aaron Paul in "Breaking Bad"
Mangelndes Risiko deutsche Fernsehsender?
Wo findet man im deutschen Free-TV die besten Serien? Die öffentlich-rechtlichen Sender gehen teilweise mit gutem Bespiel voran. "In Treatment - Der Therapeut" lief etwa mit festem Sendeplatz auf 3Sat. Hier kann der Zuschauer verfolgen, wie Therapeut Dr. Paul Weston (Gabriel Byrne) seinen Patienten mit Rat und Tat zur Seite steht. Für seine eigenen Probleme holt er sich ebenfalls psychologischen Rat bei einer Kollegin. Der europäische Kulturkanal Arte lässt die Historienserie "Rom" sowie die aktuellsten Staffeln der genialen "Breaking Bad"-Serie im deutschen Free-TV zur Geltung kommen. "Breaking Bad" handelt von einem krebskranken Familienvater, der ein erfolgreiches Drogenlabor aufmacht, um seine medizinische Behandlung bezahlen zu können. Die kriminelle Karriere wird immer mehr zum egozentrischen Selbstfindungstrip. Auch die privaten Fernsehsender nehmen vereinzelt anspruchsvollere Serienhighlights ins Programm. RTL2 überrascht mit der Ausstrahlung der spannungsreichen Serie "Dexter", in der ein Forensiker der Polizei nachts als Serienmörder sein Unwesen treibt.

Auch Comedy-Serien wie "The King of Queens", "Two and a Half Men" und "How I Met Your Mother" werden seit Jahren vom Privatfernsehen täglich gesendet. Diese zeichnen sich mitunter durch interessante Drehbücher und intelligenten Humor aus. Schwieriger wird es bei anspruchsvolleren Krimi-, Thriller- und Fantasy-Serien, die dem Zuschauer, von bereits erwähnten Ausnahmen abgesehen, nicht zugetraut werden. Als Beispiel soll noch einmal "Die Sopranos" herangezogen werden. Lieblos hatten das ZDF (2000 bis 2002) und Kabel1 (2005) die Mafiaserie vereinzelt ins Programm genommen, um sie viel zu hastig aufgrund schlechter Quoten wieder abzusetzen. Schön wäre, wenn die Sender einen etwas längeren Atem hätten und anspruchsvollen Formaten häufiger Sendeplätze geben würden.
Warner Bros.
Boardwalk Empire - Die komplette erste Staffel
Serien erreichen Hollywood
Jedes Filmgenre bekommt nun Serienpendants. Ob Horror ("True Blood") oder Politik ("The West Wing") - alles wird in epischer Länge ausgebreitet. Für hochwertige Produktionen werden vermehrt namhafte Filmschaffende engagiert. Ein gute Bespiel ist die ebenfalls vom US-Kabelsender HBO produzierte Gangster-Serie "Boardwalk Empire", welches die Prohibition in den USA (1919 bis 1933) thematisiert. Um dem Thema gerecht zu werden, holt man Drehbuchautor Terence Winter, Regisseur Martin Scorsese und Darsteller Steve Buscemi für die Rolle des Protagonisten ins Team, die alle Erfahrung mit Mafiafilmen vorzuweisen haben. Der Erfolg qualitativer Serien beweist, dass beim Publikum ein Bedürfnis nach gehaltvoller Fernsehunterhaltung besteht.
Von  Stefan Huhn, Filmreporter.de,  21. September 2012

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2021