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RETRO Feature
Yul Brynner
Filmrevue

Yul Brynner: Abstammung unbekannt

Exot mit Starqualitäten

Yul Brynner gehört zu den großen Hollywood-Stars der 1950er Jahre. Als Pharao Ramses kämpft er in "Die Zehn Gebote" gegen Moses, der eindrucksvoll von Charlton Heston verkörpert wird. 1957 bringt die Romanze "Der König und ich" Hollywoods berühmtestem Glatzkopf einen Oscar ein, drei Jahre später führt Brynner als Einzelgänger Chris Adams "Die glorreichen Sieben" an. Weibliche Fans und bekannte Schauspielerinnen verfallen der exotischen Erscheinung, die zeitlebens ein Geheimnis um ihre Herkunft macht.
Von  Ann-Catherin Karg/Filmreporter.de,  5. Januar 2020
Yul Brynner in einer Filmszene
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Yul Brynner in einer Filmszene

Mysteriöse Herkunft

Über Yul Brynners Abstammung gibt es mehrere unbestätigte Geschichten. Die eine besagt, dass Yul Brynner 1915 auf der damals japanischen Insel Sachalin zur Welt kommt. Glaubt man anderen Quellen, so wird der kleine Yul fünf Jahre später im russischen Wladiwostok geboren. Seine Mutter Marussia Blagowidowa ist Tochter eines russischen Arztes und hat Roma-Blut in sich, Vater Boris ist halb Schweizer und halb Mongole. Manche Quellen behaupten allerdings, er wäre Alkoholiker gewesen und hätte diese Herkunft nur vorgetäuscht, um sich von seiner streng jüdischen Familie zu distanzieren. Zu Lebzeiten zeigt Brynner kein Interesse, derartigen Gerüchten ein Ende zu setzen. Er beteiligt sich ganz im Gegenteil an der Legendenbildung, das Geheimnis um seine Person soll gewahrt bleiben. Fest steht, dass es Boris, den Erfinder und Schweizer Konsul in Russland, nicht lange bei seiner Familie hält.


Der König und Ich
20th Century Fox
Der König und Ich

Jugend auf drei Kontinenten

Die verlassene Mutter zieht mit ihrem Sohn zunächst nach China, bevor sie sich 1934 in Paris nieder lässt. Yul wird Schüler des exklusiven Eliteinternats Moncelle, von dem er aber bald verwiesen wird. Daraufhin verdingt er sich als Zirkusartist und tingelt als Zigeuner-Musiker durchs Pariser Nachtleben. Schließlich entscheidet er sich für den Besuch einer Pariser Theaterschule, an welcher er ein Schauspiel- und Theaterstudium absolviert. Angeblich beliefert er in dieser Zeit den französischen Künstler Jean Cocteau mit Opium. 1940 zieht es Brynner nach Amerika, wo er zunächst als Regisseur für verschiedene Fernsehserien wie "Studio One" und "Danger" arbeitet.


Yul Brynner als König von Siam in "Der König und ich"
20th Century Fox
Yul Brynner als König von Siam in "Der König und ich"

Rolle seines Lebens

1951 schafft er den Durchbruch am Broadway. In "Der König und ich" schlüpft Brynner in die Rolle des Königs von Siam, die seine Karriere nachhaltig beeinflussen wird. Das Stück nach Margaret Landons Roman "Anna und der König von Siam" begeistert Publikum wie Kritiker. Die Glatze, die sich Brynner extra für seine Darbietung scheren lässt, wird später zu seinem Markenzeichen werden. 1956 bringt Hollywood den Stoff auf die Kinoleinwand. Die exotistische Romanze beschert dem kahlköpfigen Hauptdarsteller einen Oscar, spätestens der Monumentalfilm "Die zehn Gebote" mit Charlton Heston hebt Brynner in den Schauspieler-Olymp der 1950er Jahre. Fortan spielt er neben Stars wie Ingrid Bergman, Katharine Hepburn und Marlon Brando. Die Studiobosse besetzen ihn fast durchgängig als "intelligenter Bösewicht", was seinem Ruhm keinen Abbruch tut. Daneben ist Brynner vor allem eines: Der König von Siam. Den gibt er 1972 erneut, als der amerikanische TV-Sender CBS die Liebesgeschichte um den König und die englische Gouvernante in eine Serie verpackt. Und auch als es fünf Jahre später eine Neuinszenierung des Stücks am Broadway gibt, ist der Original-König Mongkut wieder mit von der Partie. Ganze sieben Jahre steht "Der König und ich" auf dem Spielplan, allerdings unterbrochen durch Zwangspausen, in denen der an Krebs erkrankte Hauptdarsteller nicht auf der Bühne stehen kann.


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Vier Frauen und fünf Kinder

Starruhm, das exotische Aussehen und die geheimnisvolle Aura des Schauspielers lockten zeitlebens die Frauen an. Am Ende seines Lebens kann Brynner auf vier Ehefrauen und fünf Kinder zurück blicken. Die erste Ehe mit Schauspielerin Virginia Gilmore hält unerreichte 16 Jahre. 1946 kommt Brynners erster Sohn zur Welt, den der Vater nicht ganz uneitel Yul Brynner II taufen lässt. In Anlehnung an Boxer Rocky Graziano erhält Yul zwei den Spitznamen Rock, was aber die gewünschte Wirkung auf den Sprössling verfehlt, denn er wird Schriftsteller und Geschichtsprofessor. 1958 wird Tochter Lark außerehelich geboren, die Ehe der Brynners dürfte aber schon vorher zerrüttet gewesen sein. Anfang der 1950er Jahre lässt sich Brynner auf eine Affäre mit Marlene Dietrich ein, in deren Fußstapfen dann die amerikanische Sängerin und Schauspielerin Judy Garland tritt. Nach der Scheidung von Virginia heiratet Brynner 1960 zum zweiten Mal. Das chilenische Model Doris Kleiner ehelicht den Star am Set des Kultwesterns "Die glorreichen Sieben". Aus der Ehe geht Töchterchen Victoria hervor, die mit Audrey Hepburn eine berühmte Filmdiva zur Patin bekommt. Im verflixten siebten Jahr folgt erneut das Ehe-Aus, doch Brynner scheint inzwischen Gefallen am Heiraten gefunden zu haben. Vier Jahre später tut er's wieder, dieses Mal die französische Verleger-Witwe Jacqueline de Croisset. Das Paar adoptiert mit Mia und Melody zwei vietnamesische Kinder, aber auch die können die Eltern nicht zusammen halten. 1983 wird Tänzerin Kathy Lee Ehefrau Nummer vier. Dem Paar bleiben aber nur zwei gemeinsame Jahre.


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Botschaft eines Sterbenden

Kurz vor seinem Tod im Oktober des Jahres 1985 ist es Yul Brynner ein Anliegen, die Menschheit vor den Folgen des Rauchens zu warnen. Der Schauspieler ist überzeugt davon, dass er ohne die jahrelang konsumierten Glimmstengel nicht an Lungenkrebs erkrankt wäre. Mit der Yul-Brynner-Foundation ruft er eine Stiftung ins Leben, die sich dem Kampf gegen das Rauchen widmet. Monate vor seinem Tod nimmt Brynner einen Werbespot auf, der erst nach seinem Tod ausgestrahlt werden soll. Darin gibt er eine eindringliche Botschaft weiter und sagt: "Jetzt, wo ich nicht mehr bin, sage ich euch: Raucht nicht. Was immer ihr auch tut, aber raucht nicht." Der Leichnam Brynners wurde eingeäschert und auf einem Friedhof in der Nähe des abgelegenen französischen Örtchens Luze begraben. Ein Ziel hat Brynner auf jeden Fall erreicht. Der Hollywood- und Broadway-Star soll einmal gesagt haben: "Die Leute kennen mein wahres Ich nicht, und sie werden es auch nie kennen lernen." Er sollte recht behalten...
Von  Ann-Catherin Karg/Filmreporter.de,  5. Januar 2020

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