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Philip Seymour Hoffman

Sony Pictures

Philip Seymour Hoffman, Kritikers Liebling
Hollywoods hässliches Entlein
Blass, dicklich, aufgedunsen. So stellt man sich eine typische Muse nicht gerade vor. Trotzdem - oder gerade deswegen - gilt Philip Seymour Hoffman als Lieblingsschauspieler von Paul Thomas Anderson. In dreien seiner vier Filme arbeitet der Regisseur mit dem Charakterdarsteller zusammen. Ihre größten Erfolge haben sie allerdings getrennt. Während Anderson für Drehbuch und Regie von "There Will Be Blood" (2007) Oscarnominierungen einheimst, bekommt sein Stammschauspieler die begehrten Trophäe für die Darstellung der Hauptfigur in Bennett Millers Drama "Capote" (2005).
Von  André Weikard/Filmreporter.de,  24.05.2008
Philip Seymour Hoffman und Spike Lee in 25 Stunden

Buena Vista International

Es gibt sie nicht oft, die ganz großen Freundschaften im Filmgeschäft. Martin Scorsese und Robert De Niro verbindet eine. Rainer Werner Fassbinder und Hanna Schygulla gingen eine ähnlich produktive Verbindung ein. Vielleicht wird man das einmal auch von Paul Thomas Anderson und Philip Seymour Hoffman sagen. Der Mann mit dem umständlichen Namen ist aber auch anderweitig gefragt. Regisseure wie die Coen-Brüder, Spike Lee, Robert Benton, Cameron Crowe, Todd Solondz und Anthony Minghella engagieren ihn für ihre Filme. Grund ist sein überzeugendes Spiel und seine konzentrierte Arbeitsweise.


Philip Seymour Hoffman als Schriftsteller Truman Capote

Sony Pictures

So hässlich wie möglich

Am Set hat Hoffman seine eigene Philosophie. Als Schauspieler fühlt er sich nicht dem Regisseur oder dem Publikum verantwortlich, sondern dem Charakter, den er verkörpern soll. Er liebt es, allein über dem Skript zu sitzen und sich in seinen Charakter hineinzudenken. Sein Lehrer an der New Yorker Tisch School of the Arts beschwor ihn, ein denkender Schauspieler zu sein und Hoffman hält sich daran. Am Set, wo andere sich das lange Warten in den Drehpausen gerne mit Scherzen verkürzen, wirkt er angestrengt und in sich gekehrt. Gerne zieht er sich auf seine Rolle zurück. Er will seine Ruhe, lässt sich ungern aus der Konzentration bringen und mag am liebsten niemandem in die Augen schauen. Bei den Dreharbeiten zu "Capote" besteht er darauf, seinen Charakter so hässlich wie möglich erscheinen zu lassen. Für ihn sind Menschen verletzlich, merkwürdig, böse. Je gutartiger das Kino sie zeichnet, desto weiter würde es sich von der Wirklichkeit entfernen. Zweifellos ist es diese Auffassung, die seiner Arbeit die Tiefe verleiht, um die Abgründe der menschlichen Seele auszuloten.


Capote

Sony Pictures

Ob als masturbierender Außenseiter in "Happiness" (1998) oder als erbärmlicher Priester in "Unterwegs nach Cold Mountain" (2003): Hoffman provoziert euphorische Lobeshymnen der Kritik. Keiner erfährt so viel Zuspruch für das Abseitige, Ekelerregende und Bemitleidenswerte. Unvergesslich zum Beispiel die Szene in der er als arroganter Schriftsteller Capote aus der Haut fährt und den Insassen einer Todeszelle beschimpft, es gebe nichts, was der ihm erzählen könne, das er nicht schon wisse. Er interessiere sich nur für die eine Nacht, in der er gemordet habe, sonst sei er für ihn völlig wertlos. Geradezu obszön wird die Arroganz des Intellektuellen, wenn Hoffman hier den Mann mit den gespitzten Lippen und dem abgespreizten kleinen Finger demaskiert.


Philip Seymour Hoffman in "Capote"

Sony Pictures

Liebe fürs Theater

Seine darstellerische Präsenz trainiert der passionierte Schauspieler nach wie vor auf der Bühne. Als Direktor der LAByrinth Theater Company bringt er insbesondere zeitgenössische Stoffe auf die Bühne. Er selbst inszenierte in New York mehrfach Stücke von Stephen Adly Guirgis. Bei den Arbeiten zu "In Arabia, We'd All Be Kings" lernt er seine spätere Lebensgefährtin Mimi O'Donnell kennen. Mit der Kostümdesignerin hat er zwei Kinder. Sohn Cooper Alexander wird 2003 geboren, Tochter Tallulah 2006. Die unruhigen Zeiten in seinem Leben scheinen vorbei zu sein. Es war nicht immer so harmonisch...


Dieselbe Art von Leidenschaft... Philip Seymour Hoffman und Capote

Sony Pictures

Drogen und Alkohol tabu

Hoffman war während seiner Schauspielausbildung Drogen- und Alkoholabhängig. Mit 22 begibt er sich in einen Entzug. Seitdem trinkt er keinen Alkohol mehr. Heute zehrt er von den Erfahrungen aus dieser Zeit, die er sich unter Einsatz seines Lebens erworben hat. Als Spieler in "Owning Mahowny" bekommt er 2003 seine erste Hauptrolle in einem Hollywood-Film. Der betrunkene Schauspielschüler von einst hat es geschafft. Über Nebenrollen bei Independent-Studios kann er sich mit Rollen profilieren, die andere aus Sorge um ihr Image abgelehnt hätten. Extrovertierte Homosexuelle, verstockte Außenseiter und gefährdete Existenzen bekommen durch ihn ein Gesicht und eine Stimme. Hollywood nimmt ihn als Bösewicht in "Mission: Impossible III" (2006) und als sensationshungrigen Reporter in "Roter Drache" (2002) unter Vertrag. Über vierzig Auszeichnungen muss er jetzt schon bei sich zuhause unterbringen. Kein Zweifel: es werden noch mehr werden.
Von  André Weikard/Filmreporter.de,  24.05.2008

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