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David Fincher (Cannes 2007)
Jean-François Martin/Ricore Text

David Fincher auf Erfolgskurs

Rebell in Hollywood
"Ich weiß nicht, inwieweit Filme unterhalten sollen. Ich persönlich ziehe Filme vor, die sich ins Bewusstsein einritzen. Seitdem ich 1975 "Jaws" gesehen habe, war ich nie wieder im Ozean schwimmen". So fasst der Regisseur David Fincher seine Filmphilosophie zusammen. Hinter seinem Werk steckt jedoch nicht rigide Programmatik, sondern echte Kinobegeisterung, die ihn seit seinem siebten Lebensjahr und dem Western "Butch Cassidy und Sundance Kid" in ihrer Bann zieht. Wir verfolgten den Weg des Autodidakten von der Animation über die Werbung bis zur Oscarnominierung.
Von  Tzveta Bozadjieva, Filmreporter.de,  1. Februar 2009
David Fincher mit Chloé Sévigny auf der Cannes-Premiere von "Zodiac"
Jean-François Martin/Ricore Text
David Fincher mit Chloé Sévigny auf der Cannes-Premiere von "Zodiac"
David Finchers Laufbahn überrascht nicht. Schon mit sieben Jahren entscheidet er sich für die Filmkarriere. Nicht der Glamour des Schauspielerlebens lockt ihn nach Hollywood. Vielmehr sind es die Möglichkeiten hinter der Kamera. Der Regisseur will wie sein Vater - der bekannte Drehbuchautor und Journalist Jack Fincher - Geschichten erzählen. Mit einer 8 mm Kamera filmt David in seiner Kindheit seine ersten Szenen. Der professionellen Produktion kommt er später bei John Korty's Korty Films näher. Am Set erledigt er einfache Arbeiten wie den Kameratransport. Der Sprung ins Geschäft schafft Fincher mit der Anstellung bei George Lucas' Industrial Light & Magic. Als Trickfilmzeichner gestaltet er die Spezialeffekte zu Filmen wie "Star Wars: Episode VI - Die Rückkehr der Jedi Ritter" sowie "Indiana Jones und der Tempel des Todes".


Panic Room - Special Edition
Columbia Tristar
Panic Room - Special Edition

Wirbel in der Werbebranche

Nach vier Jahren bei ILM wechselt David Fincher die Branche und macht sich als Werbefilmer einen Namen. Eine Tatsache, die befremdet, angesichts seiner Abneigung gegen Massenaffine Produktionen. "Ich bin absolut gegen die Kommerzialisierung. Ich werde niemals Werbungen drehen, mit Leuten, die das Produkt neben ihrem Gesicht halten und erklären, wie toll die Ware ist. In der Levis-Werbung ging es nicht wirklich um Jeans, so wenig wie in dem Nike-Clip um Schuhe. Es geht auch nicht darum, zu vermitteln: "Leute, kauft diese Schuhe und euer Leben wird sich verändern!" Das ist Unsinn. Jeder, der außerhalb sich selbst nach etwas sucht, um glücklich oder ganz zu sein, ist wahrscheinlich krank". Trotz dieser nicht gerade günstigen Einstellung gegenüber der Werbeindustrie kann sich David Fincher dank frischer Ideen und ungewöhnlichen Perspektiven als Regisseur behaupten. Der Auftrag des American Cancer Society, einen Aufklärungsspot zum Thema Krebs zu drehen, macht eine neue Tür für ihn auf. Sein Beitrag zeigt einen rauchenden Fötus - ein kleiner Skandal im konservativen Amerika. So zieht er die Aufmerksamkeit einiger Produzenten in Los Angeles auf sich und er bekommt die Chance, die Musikdokumentation "The Beat of the Live Drum" zu filmen. Ganz neue Horizonte öffnen sich ihm jetzt.


David Fincher (Cannes 2007)
Jean-François Martin/Ricore Text
David Fincher (Cannes 2007)

Madonna und The Rolling Stones

Als Regisseur für Musikvideos folgt Fincher dem Beispiel von Filmemacher wie Michael Bay und Gore Verbinski. Für die Produktionsfirma "Propaganda Films" dreht er wie seine namhafte Kollegen Videos zur Musik von Madonna, The Rolling Stones und Paula Abdul. Die Videos zu "Express Yourself" oder "Vogue" der Pop-Queen machen sowohl die Sängerin als auch den Filmer populärer. Bis heute verbindet die Künstler eine tiefe Freundschaft. Erst 1992 findet David Fincher zum Spielfilm. Sein Regiedebüt ist das bis dato teuerste in der Hollywood-Geschichte. 63 Millionen Dollar Budget sprechen für das Vertrauen der Produzenten auf den unkonventionellen Filmemacher. "Alien 3" ist ein Kassenflopp. Den lauen Karrierestart kompensiert Finchers zweiter Spielfilm - der düstere Thriller "Sieben". Insider-Erzählungen zufolge, wollte das Studio einige der grausigen Szenen entschärfen. Doch Hauptdarsteller Brad Pitt droht mit Kündigung, wenn etwas an dem Film geändert wird. Freundschaft und Respekt vor Finchers Kreativität treiben den Hollywood-Star zu diesem Schritt. Spätestens hier wird ein Wesenszug seiner Kunst deutlich: Der Regisseur schont seine Zuschauer nicht.


Fight Club
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Fight Club

Autodidakt wird Kultregisseur

Viele Kritiker nehmen Anstoß an der Brutalität seiner Filme. "macho porno" und "fascist big-star movie", schimpft Kritiker Roger Ebert über den 1999 erschienen Thriller "Fight Club". Der bescheidene Erfolg an den Kinokassen schien dem Filmrezensent recht zu geben. Wie schon bei vielen Klassikern gesehen, hat sich mit der Zeit die Bedeutung von David Finchers Film gewandelt. Es gibt heute nur wenige Kritiker, die "Fight Club" den Platz in dem Kanon der Kultfilme absprechen. Nach dem ebenfalls eher durchschnittlichen Erfolg von "Panic Room" aus dem Jahr 2002 ist der Regisseur mit seiner Verfilmung einer real geschehenen Mordserie "Zodiac - Die Spur des Killers" wieder auf Hollywoods Sonnenseite. Entgegen den Erwartungen wird der Thriller bei der Oscar-Nominierung übersehen. "Ich weiß nichts von der Gunst der Academy. Ich weiß nicht, was ein preisgekrönter Film ist". Dies könnte sich 2009 ändern. Finchers "Der seltsame Fall des Benjamin Button" mit Brad Pitt in der Hauptrolle ist in der Kategorie für beste Regie für den Oscar nominiert.
Von  Tzveta Bozadjieva, Filmreporter.de,  1. Februar 2009

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