Sony Pictures Entertainment
Spider-Man 3
Killende Komiker, fanatische Fixer
Feature: Wenn Superhelden fallen...
'Aus großer Kraft folgt große Verantwortung.' Diese wichtige Lektion muss Peter Parker in den Spider-Man-Comics auf schmerzvolle Weise am eigenen Leib erfahren, bevor der jugendliche Außenseiter zum schuldbeladenen Superhelden wird. Das Verhältnis zwischen Macht und Verantwortung ist in Superhelden-Stoffen immer wieder ein bestimmendes Thema. Der phantastische Kontext bietet Zeichnern, Autoren und Regisseuren die ideale Projektionsfläche, um die Grenzen der Moral auszuloten. Wer die Werke bloß auf das eskapistische Moment reduziert, verkennt die ethische und politische Dimension vieler Superhelden-Geschichten.
erschienen am 26. März 2012
20th Century Fox
Alex Russell in "Chronicle - Wozu bist du fähig?"
Von Spinnen und Menschen
Jüngstes Leinwand-Beispiel ist Josh Tranks Spielfilmdebüt "Chronicle - Wozu bist du fähig?". Zentrales Thema ist auch hier die Frage nach den Konsequenzen, die grenzenlose Macht nach sich ziehen kann. So kommen die drei jugendlichen Protagonisten Andrew (Dane DeHaan), Matt (Alex Russell) und Steve (Michael B. Jordan) durch die Berührung mit einer mysteriösen Energiequelle zu ihren übernatürlichen Fähigkeiten. Schon bald können sie fliegen und verfügen über telekinetische Kräfte. Ein Riesenspaß - vor allem um Mitmenschen zu ärgern und Chaos zu verbreiten.

Aus den anfänglichen Spielereien wird bitterer Ernst, als Andrew, dessen Mutter im Sterben liegt und der vom Vater regelmäßig geschlagen wird, seiner angestauten Aggression auf zerstörerische Weise Luft macht. Bezeichnend ist die Szene, in welcher der verbitterte Teenager eine hilflose Spinne in der Luft schweben lässt, sie emotionslos betrachtet und sie schließlich regungslos in ihre Einzelteile zerbersten lässt. Spätestens in dem Moment wird klar: Andrews Reise endet keinesfalls damit, dass er Spider-Mans Lektion lernt und zum demütigen Superhelden wird.
Paramount Pictures
Jeffrey Dean Morgan als Comedian
Wer beobachtet die Beobachter?
Regisseur Josh Trank ist bei weitem nicht der erste Künstler, der den Missbrauch von Superkräften zum Thema macht und damit den Mythos des aufrechten Superhelden demontiert. So zählt beispielsweise die Geschichte der Mutantin Jean Grey, die als Dark Phoenix nahezu grenzenlose Kräfte entwickelt und den Tod von Milliarden Lebewesen auf ihr Gewissen lädt, zu den besten Geschichten der langen "X-Men"-Historie. Während das Schicksal Jean Greys sowie das von Andrew in "Chronicle - Wozu bist du fähig?" als persönliche Tragödien geschildert werden, thematisiert das Superhelden-Epos "Watchmen - Die Wächter" den Missbrauch von Macht aus einem politischen Blickwinkel.

Die Graphic Novel von Alan Moore aus dem Jahre 1986 gilt zu Recht als eine der bedeutendsten Superhelden-Erzählungen der Comic-Geschichte. In seinem vielschichtigen Werk entwirft der gefeierte Autor eine phantastische Welt, in der Superhelden von der US-Regierung in den 1960ern dazu benutzt werden, den Vietnam-Krieg zu gewinnen. Moore lässt kein gutes Haar am imperialistischen Gebaren der Regierung. Passenderweise spiegelt sich in den vermeintlichen Helden aus "Watchmen" der moralische Bankrott der kriegstreibenden Politiker. Die Supermänner Moores sind brutale, zum Teil menschenverachtende Vergewaltiger und Mörder. Allen voran der Comedian, eine Art zynischer Gegenentwurf zum idealistischen Captain America der Marvel-Comics, der im einen Augenblick im Namen der Demokratie kämpft, während er im nächsten seine schwangere Geliebte in einem Anfall blinder Wut tötet.
Warner Bros. Pictures
Batman Begins
Der dunkle Ritter schlägt zu
Ein Superheld, der sich stets in der Grauzone zwischen heldenhafter Verbrechensbekämpfung und persönlich motivierter Selbstjustiz bewegt, ist Batman. Wie die meisten Helden der Comic-Verlage DC und Marvel wird auch dieser maskierte Rächer im Laufe der Zeit verschiedensten Interpretationen diverser Künstler unterzogen. Besondere Beachtung finden Frank Millers hochgelobte Graphic Novels "The Dark Knight Returns" von 1986 sowie "The Dark Knight Strikes Again" von 2001.

Das darin gezeichnete Bild Batmans ist besonders grimmig und desillusionierend. Millers Held ist ein getriebener, gebrochener Charakter, bei dem die Grenzen zwischen Verantwortung und Machtmissbrauch zunehmend verschwimmen. In der Demontage des strahlenden Superhelden-Images sind sich die "Dark Knight"-Geschichten und "Watchmen" durchaus ähnlich. Interessanterweise driften die politischen Ansichten der beiden Comic-Schwergewichte Frank Miller und Alan Moore in jüngster Vergangenheit immer weiter auseinander.

Millers Werke zeichnen sich durch eine gewisse Hardliner-Mentalität aus. Besonders kontrovers wird sein letztes Werk "Holy Terror" diskutiert. Darin begibt sich der maskierte Kämpfer The Fixer - ursprünglich war Batman als Protagonist vorgesehen - auf einen blutigen Rachefeldzug gegen islamistische Terroristen. Während Millers graphische Qualitäten auch bei diesem Comic viel Anerkennung erfahren, wird der Inhalt alles andere als wohlwollend aufgenommen. Was der eine oder andere Journalist bestenfalls als Provokation versteht, wird von einer Vielzahl kritischer Stimmen als reaktionäres Machwerk verurteilt.
Warner Bros.
V wie Vendetta
Guy Fawkes schlägt zurück!
Millers Haltung wird auch von den New Yorker Anschlägen des 11. September 2001 motiviert. "Zum ersten Mal in meinem Leben weiß ich, wie es sich anfühlt, mit einer existentiellen Bedrohung konfrontiert zu sein", kommentiert Miller die Angriffe auf die USA durch Terroristen im Interview mit der Rundfunkanstalt NPR am fünften Jahrestag der Anschläge und fügt hinzu: "Patriotismus ist, wie ich nun glaube, kein sentimentaler, alter Dünkel. Er ist Selbsterhaltung. Ich glaube, dass Patriotismus zentral ist, damit eine Nation überleben kann." Zu den konservativen Ansichten des amerikanischen Comic-Autors und -Zeichners passen auch Millers Attacken auf die kapitalismuskritische Occupy-Protestbewegung. So beschimpft er die Demonstranten am 7. November 2011 auf seiner Internetseite frankmillerink.com als Abschaum und Verlierer und betont, dass sich Amerika im Krieg gegen das Terrornetzwerk al-Qaida und den Islamismus befinde.

Alan Moores Reaktion auf Frank Millers Hasstirade lässt nicht lange auf sich warten. So verteidigt der britische Comic-Autor die Occupy-Bewegung im Interview mit der Literatur-Seite Honest Publishing am 2. Dezember 2011 mit folgenden Worten: "Es ist ein vollkommen gerechtfertigter Aufschrei moralischer Entrüstung und er scheint auf eine sehr intelligente, nicht-gewalttätige Weise gehandhabt zu werden, was vermutlich ein weiterer Grund dafür ist, warum Frank Miller nicht erfreut darüber ist." Dass zahlreiche Demonstranten der Occupy-Bewegung als Symbol ihres Widerstandes die Guy Fawkes-Maske gewählt haben, die auch der anarchistische Held in Moores Comic "V wie Vendetta" im Kampf gegen ein faschistisches England trägt, ist bezeichnend für das wechselseitige Verhältnis zwischen phantastischer Superhelden-Kunst und gesellschaftlich-politischer Realität.

So reicht die Machtfrage, die Frage nach dem Umgang mit einer besonderen Gabe, über die Panels der bunten Comic-Seiten und das Flimmern der Leinwand hinaus auf die Straßen unserer Wirklichkeit und fällt auf die Architekten der phantastischen Welten zurück. 'Aus großer Kraft folgt große Verantwortung.' Das gilt sowohl für die Comic-Helden, als auch für deren Schöpfer. Gefallene Helden gibt es viele: der Teenager Andrew, die Mutantin Jean Grey und leider auch der einst gefeierte Frank Miller.
erschienen am 26. März 2012
Zum Thema
Batman (Kinofilm)
Batman & Robin (Kinofilm)
Batman Forever (Kinofilm)
Der Joker kommt zurück
Superhelden müssen den Weltuntergang abwenden - effektgeladene Comicadaption mit Kassenerfolgsgarantie
Spider-Man (Kinofilm)
Für Superman und Batman brechen harte Zeiten an: Die alt gedienten Kino-Superhelden haben eine mächtige Konkurrenz bekommen. Sam Raimis aufwendig inszenierte Leinwandadaption der Tobey Maguire wunderbar menschlich gespielten Titelhelden.
X-Men 2 (Kinofilm)
Filmbranche und Öffentlichkeit reagierten überrascht auf den großen Erfolg von "X-Men". Nach einem sensationellen Einspiel von 157 Millionen Dollar allein am US-Boxoffice gab es keinen Zweifel, dass ein stargespicktes Sequel folgen würde. Dieses bietet noch mehr überraschende Gimmicks der Mutanten und viel Action. Leider weißen Story und Dramaturgie einige Schwächen auf.
Spider-Man 2 (Kinofilm)
Was wird nicht alles geschrieben über die atemberaubenden Digital-Effekte und Tricksereien, mit denen Spider-Man die Wände hochklettert? Stimmt ja auch. Und doch geht es im Grunde genommen in "Spider-Man" nicht um die Digitaleffekte und die Action, sondern um etwas völlig anderes: Selbst wenn der Spinnenmann auf übermenschliche Kräfte zurückgreifen kann, so ist doch kein anderer Marvel-Comic-Held so menschlich wie er.
Batman Begins (Kinofilm)
Wer hat gesagt, dass es im Kino nur noch Trilogien zu sehen gibt? Der inzwischen fünfte Teil der Fantasy-Saga um den schwarz bemäntelten "Ritter der Nacht" kehrt stilistisch zu den frühen Werken Tim Burtons zurück. Düsterer, ernster - und irgendwie cooler. Vorbei sind die Zeiten von Joel Schumachers Fehlinterpretation der Comic-Welt, bei dem uns vor dem bunten, glitzernden Schwulst die Augen tränten. "Batman Begins" erzählt, wie der junge Bruce Wayne (Christian Bale) zu seinem Alterego kam -..
Die X-Men-Filme spielen in der Zukunft: Viele Menschen werden als Mutanten geboren. Sie unterscheiden sich durch außergewöhnliche Fähigkeiten und anatomische Besonderheiten. So können manche fliegen, andere sind mit besonderen geistigen Fähigkeiten ausgestattet. Unter der Leitung von Professor Charles Xavier (Patrick Stewart) hat sich eine Gruppe Mutanten zusammengeschlossen. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Welt vor bösen Mächten und Mutanten zu schützen. Kollegin Jean Grey (Famke..
Spider-Man 3 (Kinofilm)
Peter Parker alias Spider-Man ist zurück. Bereits zum dritten Mal schlüpft Tobey Maguire unter der Regie von Sam Raimi in das blaurote, hautenge Spinnenkostüm. In der Fortsetzung der erfolgreichen Superhelden-Saga muss die Welt mit New Goblin (James Franco), Sandman (Thomas Haden Church) und Venom (Topher Grace) gleich vor drei Schurken beschützt werden. Doch noch ein wichtiger Kampf muss ausgefochten werden: Er muss sich seinen eigenen Dämonen stellen.
In einem fiktiven Amerika von 1985 wird der außer Dienst gestellte Superheld der Comedian (Jeffrey Dean Morgan) ermordet. Sein ehemaliger Mitstreiter Rorschach (Jackie Earle Haley) warnt die anderen Superhelden, dass ihnen das gleiche Schicksal drohen könne. "300"-Regisseur Zack Snyder machte sich an die schwierige Aufgabe, das von Fans verehrte Kultbuch zu verfilmen. Mit Liebe zum Detail wagte er den gelungenen Spagat zwischen Actionfilm und tiefgründigem Mystery-Thriller.
Dark Knight (Kinofilm)
Batman (Christian Bale) wird nicht müde, gegen das organisierte Verbrechen und die wachsende Kriminalität in Gotham City anzukämpfen. Dieses Mal stehen ihm Lieutenant James Gordon (Gary Oldman) und Staatsanwalt Harvey Dent (Aaron Eckhart) zu Seite. Regie führt Erfolgsregisseur Christopher Nolan, der gemeinsam mit seinem Bruder Jonathan das Drehbuch erarbeitete. Der australische Schauspieler Heath Ledger ist in seiner letzten Rolle als genialer Bösewicht "Joker" zu sehen.
Statt einer weiteren Fortsetzung, wird in "X-Men Origins: Wolverine" die Geschichte des prägnantesten "X-Men" erzählt. Die Handlung setzt etwa 20 Jahre früher ein und beleuchtet James Howletts Werdegang zum Mutanten Wolverine (Hugh Jackman). Dabei wird auch auf dessen erste Erlebnisse und die Kämpfe mit William Stryker (Danny Huston) eingegangen. Regie führt nicht Bryan Singer ("X-Men 1 und 2"), sondern "Tsotsi" -Regisseur Gavin Hood.
Mit "Captain America - The First Avenger" schafft einer der ältesten Superhelden des Chris Evans), der während des Zweiten Weltkrieges als Soldat für sein Land kämpfen will. Aus diesem Grund stellt er sich für ein Programm zur Verfügung, das ihm enorme physische Kräfte verleiht. Im Laufe seiner langen Comic-Geschichte diente der Titelheld immer wieder als Projektionsfläche amerikanischer Ideale. Das gilt auch für Joe Johnstons aufwendige Verfilmung.
Nachdem Spider-Man von Regisseur Sam Raimi als Leinwandheld etabliert wurde, übernimmt nun Marc Webb das Ruder. Der Regisseur konzentriert sich in seiner Neuinterpretation der Superhelden-Saga auf das Verschwinden von Peter Parkers (Andrew Garfield) Eltern. Darüber hinaus muss Peter in sein Spider-Man-Kostüm schlüpfen, um dem gefährlichen Wissenschaftler Dr. Curt Connors (Rhys Ifans) Einhalt zu gebieten. Im Vergleich zu Raimis Verfilmungen ist Webbs Version düsterer in Szene gesetzt. Der..
"X-Men: Erste Entscheidung" erzählt die Vorgeschichte der titelgebenden Superhelden-Truppe. Im Mittelpunkt steht die Freundschaft zwischen den beiden Mutanten Charles Xavier (James McAvoy) und Erik Lehnsherr (Michael Fassbender), die später als Professor X und Magneto zu Erzfeinden werden. Regie übernimmt Matthew Vaughn, der bereits mit "Kick-Ass" sein Gespür für gelungene Comic-Umsetzungen unter Beweis stellen konnte.
X-Men (Kinofilm)
Christian Bale schlüpft ein weiteres Mal in das Kostüm des dunklen Ritters. In Christopher Nolans "The Dark Knight Rises" bekommt es der düstere Superheld mit dem gnadenlosen Bane (Tom Hardy) und der undurchsichtigen Catwoman (Anne Hathaway) zu tun. Nach dem überragenden Vorgänger "Dark Knight" sind die Erwartungen hoch. Dem Regisseur zufolge soll der nunmehr dritte Teil die Batman-Reihe zum Abschluss bringen.
Hugh Jackman stellt sich in "Wolverine: Weg des Kriegers" in Japan seinen Gegnern. Der mächtige Silver Samurai (Will Yun Lee) kann mit seinem Schwert alles durchdringen, was sich ihm in den Weg stellt. Zum ersten Mal wird Wolverine mit den Grenzen seiner körperlichen und moralischen Stärke konfrontiert. "Wolverine: Weg des Kriegers" erzählt die mit "X-Men Origins: Wolverine" begonnene Nebenreihe zur "X-Men"-Filmreihe weiter. Regie führt James Mangold, der sich mit Charakter-Dramen wie "Walk..
Als Vorlage für "Batman: Year One" diente die gleichnamige Comic-Reihe von Texter Frank Miller und Zeichner David Mazzucchelli. In beiden Fällen steht die Entstehungsgeschichte des Titelgebenden Superhelden im Mittelpunkt. So wird erzählt, wie Bruce Wayne nach zwölf Jahren nach Gotham City zurückkehrt, um das Verbrechen zu bekämpfen. Die Zeichentrickadaption hält sich eng an die grandiose Vorlage und entwirft ebenfalls ein düsteres, trostloses Bild Gotham Citys.
Eines Nachts entdecken die drei Schulfreunde Andrew (Dane DeHaan), Matt (Alex Russell) und Steve (Michael B. Jordan) eine seltsame Energiequelle. Nachdem sie damit in Berührung gekommen sind, entwickeln sie übermenschliche Kräfte. Nach kurzer Zeit droht die ungewöhnliche Situation, außer Kontrolle zu geraten. "Chronicle - Wozu bist du fähig?" ist ein Found-Footage-Film. Somit sieht man alles aus dem Blickwinkel von Kameras, die Teil der Handlung sind. Regisseur Josh Trank setzt das Konzept auf..
Nach dem Erfolg der "Spider-Man"-Neuauflage in 2012 hat sich Andrew Garfield erneut das Spinnenkostüm übergeworfen. Diesmal bekommt er es mit dem von Jamie Foxx gespielten Bösewicht Electro zu tun. Dabei führt er auch so ein stressiges Leben. Er befindet sich in seinem letzten High School Jahr und ist damit ausgelastet, für die Abschlussprüfungen zu lernen. Garfield ist ein würdiger Spider-Man, wie der Erfolg des ersten Teils beweist. Die Fortsetzung wartet mit noch mehr Special Effects,..
Weitere Features
Englischlernen im Kino
Wer wird der nächste James Bond?
2021