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RETRO Feature

Hardy Krüger in jungen Jahren
Vom Elite-Nazi zum Weltenbummler

Hardy Krüger arbeitslos

Aus dem Filmgeschäft hat sich Hardy Krüger schon lange zurückgezogen. Sein letztes großes Filmprojekt "Der Mann aus der Kälte" stammt aus dem Jahr 1984. Die Entscheidung nicht mehr vor der Kamera zu stehen, hatte einen einfachen Grund. Krüger wurden einfach keine interessanten Stoffe angeboten. Untätig ist der Schauspieler deshalb nicht.
Von  Ann-Catherin Karg/Filmreporter.de, 19. Februar 2019

Hardy Krüger in "Taxi nach Tobruk"

Hardy Krüger in "Taxi nach Tobruk"

Seit den 1970er Jahren ist er als Autor meist autobiographischer Werke tätig, die von seinen vielen Reisen handeln. Wirklich sesshaft ist der Weltenbummler auch heute nicht. Mit Frau Anika pendelt er zwischen dem Hotel Adlon in Berlin, seiner Wohnung in Hamburg und seinem Landsitz in Südkalifornien.

Hardy Krüger wird zwischen den Weltkriegen in Berlin geboren. Seine Eltern sind glühende Verehrer der Nationalsozialisten und schicken ihren 13-jährigen Sohn 1941 mit Begeisterung auf die "Adolf-Hitler-Schule" in Sonthofen. Die Burgschule ist ein Eliteinternat, auf dem Führungspersönlichkeiten für das Dritte Reich herangezogen werden sollen. Während Hardy in der Militärschule gedrillt wird, stirbt sein Vater auf dem Schlachtfeld. Über diese Zeit sagt er später, Hitler hätte ihm und seiner Generation die Jugend gestohlen. Ein Gutes hat Krügers Aufenthalt in der Nazi-Schule für seinen Werdegang: 1943 wird er von Regisseur Alfred Weidenmann für den NS-Propagandafilm "Junge Adler" entdeckt und bekommt die Rolle von Lehrling "Bäumchen".

Taxi nach Tobruk

Taxi nach Tobruk

Böses Erwachen bei der UFA
Die Dreharbeiten verändern das Weltbild des 15-jährigen Schülers. Durch sein Elternhaus und die Eliteschule war er zu einem überzeugten Nationalsozialisten geworden, bei den Dreharbeiten in den Berliner UFA-Studios trifft er nun auf Menschen, die für ganz andere Werte stehen. So auch die Schauspieler Albert Florath und Hans Söhnker, die im Widerstand tätig sind. Sie verstecken jüdische Mitbürger in ihren Landhäusern und verhelfen ihnen zur Flucht in die Schweiz. Hinter vorgehaltener Hand nennen sie Hitler einen Verbrecher und öffnen Krüger dessen verblendete Augen. Von da an weiß er über das ganze Ausmaß der Machenschaften im Dritten Reich Bescheid: "Ich wusste, dass der Krieg verloren war. Ich wusste, dass es Konzentrationslager gab und dass die Nazis eine Bande von Verbrechern waren."

Diese Einsicht bewahrt Krüger nicht davor, weiter dem inzwischen verhassten Regime zu dienen. Als im März 1945 Jugendliche als letzte Wehr an die Front geschickt werden, trifft es auch Hardy Krüger. Er wird der Waffen-SS-Einheit Nibelungen zugeteilt. Als Panzergrenadier kommt er kurz darauf in Tirol in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Die Amerikaner lassen den Teenager bald wieder laufen. Krüger folgt dem Rat von Regisseur und Schauspieler Wolfgang Liebeneiner: Er bewirbt sich am Hamburger Schauspielhaus für kleine Rollen und arbeitet beim Nordwestdeutschen Rundfunk als Sprecher.

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