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Mia Wasikowska auf der Londonder Premiere von "Alice im Wunderland"
Erst Therapie - dann Hollywood
Mia Wasikowska im Wunderland
Unter der heißen australischen Sonne erblickt am 14. Oktober 1989 Mia Wasikowska das Licht der Welt. Gute 20 Jahre später zählt die Schauspielerin zu den vielversprechendsten Jungstars Hollywoods. Dabei will die zierliche Australierin eigentlich Prima Ballerina werden. Im Alter von 15 Jahren überlegt sie es sich dann doch nochmal. Anfangs spielt sie in australischen Kurzfilmen. Mit ihrer Rolle in der US-Serie "In Treatment - Der Therapeut" kommt ihre Karriere in Schwung...
Von  Tatjana Niezel, Filmreporter.de,  1. Dezember 2011
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Mia Wasikowska in "Jane Eyre"
In Therapie
An dem Beispiel lässt sich erkennen, über welch außergewöhnliches schauspielerisches Talent die damals 17-jährige verfügt. Denn die Serie wartet mit einem ungewöhnlichen Konzept auf. Es geht um einen Therapeuten und seine Patienten. Der Verlauf der Therapie wird jeweils anhand der Sitzungen erzählt. Die Handlung findet fast ausschließlich in dem Arbeitszimmer des von Gabriel Byrne gespielten Dr. Paul Weston statt. Das Geschehen spiegelt sich in den Dialogen zwischen Patient und Therapeut.

Dies bedingt die volle Konzentration der Kamera auf die Gesichter der Darsteller, Schuss-Gegenschuss, viele Nahaufnahmen prägen den Look der Serie. Wenn die Kamera einen Schauspieler so intensiv beobachtet, setzt das einen ungezwungenen Umgang des Darstellers mit der Kamera voraus. Wasikowska meistert die Aufgabe spielend. Spielerisch lernt sie bereits in ihrer frühen Kindheit ihr Handwerk. Ihre Eltern sind Fotografen und so müssen die kleine Mia und ihre Geschwister Jess und Kai schon früh als Fotoobjekte herhalten. Dabei legt die Mutter einen besonderen Wert darauf, dass sich die Kinder so verhalten, als sei die Kamera nicht da. 2008, nach "In Treatment" wird sie vom amerikanischen Branchendienst Variety auf die Liste der zehn "Actors to watch" aufgenommen.
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Jane Eyre
Mia nimmt ihre Karriere in die Hand
Die Erziehung ihrer Eltern führt dazu, dass Mia Leben und Karriere früh in die Hand nimmt. Als sie sich mit 15 Jahren entscheidet, Schauspielerin zu werden, soll sie per Suchmaschine im Internet nach einem Agenten gesucht haben. Sie hat gelesen, dass man als Schauspieler einen Agenten brauche, um an Rollen zu kommen. Für die Schauspielerei gibt sie das Ballett auf. In der Schulzeit hat sie 35 Stunden pro Woche trainiert. Doch dann scheint ihr der Druck zu groß, der auf ihr lasten würde, wenn sie sich für eine Profikarriere im Ballett entscheiden würde. "Ich sah eine Vielzahl an Filmen die über das Gegenteil handelten, über Unvollkommenheit, und ich mochte das wirklich", erklärt sie im Interview auf der kanadischen Internetseite The Globe and Mail.

Zudem reizt sie die emotionale Seite an der Schauspielerei. Im Jahr 2009 liest sie Charlotte Brontës Roman "Jane Eyre" und ist von der Geschichte der Titelheldin begeistert. "Ich hatte ihn zur Hälfte gelesen, als ich meinen Agenten anrief und fragte: Das ist Wahnsinn. Gibt es ein Drehbuch oder bereitet jemand eine Verfilmung vor?" erzählt sie im Interview dem Collider. Zwei Monate später schickt ihre Agentin Mia ein Drehbuch, das Cary Fukunaga realisieren soll.
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Mia Wasikowska
Vielfalt
Mias Rollen in den folgenden Jahren sind vielfältig. Im Widerstandsdrama "Unbeugsam - Defiance" spielt sie eine Jüdin auf der Flucht, in "That Evening Sun" wird sie zur Farmerstochter. In "The Kids Are All Right" spielt sie die Teenie-Tochter des von Julianne Moore und Annette Bening verkörperten lesbischen Paares.

Einen ersten Höhepunkt erklimmt ihre Filmkarriere mit Mias Rolle der Alice in Tim Burtons "Alice im Wunderland". In der überdrehten Fantasiewelt herrscht Helena Bonham Carter als böse Königin und stolpert Johnny Depp als verrückter, aber liebenswerter Hutmacher. Da ist Wasikowskas zurückhaltendes Staunen über diese seltsame Welt ein angenehmer Gegenpol.

Zurückhaltung bedeutet in ihrem Fall jedoch keineswegs das Verschwinden hinter den weitaus bekannteren Kodarstellern. Denn der jungen Australierin hat trotz aller Zurückgenommenheit eine starke Präsenz auf der Leinwand. Überhaupt ist stark ein Attribut, dass sich auf viele ihrer Rollen anwenden lässt. Am eindrucksvollsten beweist sie das in der Literraturverfilmung "Jane Eyre", in der sie die selbstbewusste Titelheldin spielt.
© Sony Pictures
Restless
Coole Rollen statt lästige Allüren
Im Gegensatz zu gleichaltrigen Schauspielkolleginnen, die sich mit ganzem Einsatz in die Glamourwelt Hollywoods stürzen, fällt Wasikowska mit einer bescheidenen Unauffälligkeit auf. Allüren scheint die Australierin nicht zu haben. Negativberichte in der Presse? Fehlanzeige! Wenn von ihr berichtet wird, dann positiv. So über ihre neue Frisur. Denn nach der Premiere von "Alice im Wunderland" weichen die langen Haare einem ultrakurzen Pixie-Schnitt.

Als Gast bei Filmpremieren wird auch ihr eigenständiger modischer Stil gelobt. Doch das adrette Äußere ist es nicht, mit dem Wasikowska aufzufallen gedenkt. Sie konzentriert sich ganz auf neue Filmprojekte. 2011 ist sie neben "Jane Eyre" auch in Gus van Sants "Restless" in den Kinos zu sehen. Das Kostümdrama "Albert Nobbs" mit Glenn Close und Jonathan Rhys Meyers ist bereits abgedreht. Ebenso "Stoker" mit Nicole Kidman und "Wettest County". Mia Wasikowska steht noch am Anfang ihrer Karriere. Doch man kann bereits jetzt davon ausgehen, dass sie sich zu einer der besten Schauspielerinnen ihrer Generation entwickeln wird.
Von  Tatjana Niezel, Filmreporter.de,  1. Dezember 2011

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