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Interview

Uwe Boll
"Postal" soll wachrütteln

Zahmer Uwe Boll

Die Werke von Uwe Boll sind gelinde gesagt umstritten. Er genießt den Ruf, mit viel Abschreibungsgeld die schlechtesten Filme überhaupt zu drehen. Doch Boll lässt sich nicht unterkriegen. Bei der Präsentation seiner neuesten Videospielverfilmung "Postal" gibt er sich handzahm und durchaus redefreudig. Das kleine Publikum ist ihm wohl gesonnen. Ist es ein Zufall, dass innerhalb weniger Monate gleich drei seiner Werke in die Kinos kommen? Der studierte Literaturwissenschaftler gibt uns Antworten.
Von  Andrea Niederfriniger, Filmreporter.de, 19. Oktober 2007

Das Kinoplakat zu "Postal"

Das Kinoplakat zu "Postal"

Ricore: Stimmt es, dass Sie für "Postal" nun einen amerikanischen Verleih gefunden haben?

Uwe Boll: Es ist so, dass Vivendi Universal, die Universal Music Group, ihren eigenen Kinoverleih aufbaut. Seit sie sich von den Universal Studios, Universal Music und Video Group Distribution verabschiedet hatten, ist Vivendi nun eine separate Firma, die auch "Blood Rain" auf DVD veröffentlichte. Aber sie bemerkten, dass sie die wichtigen Filme nicht ohne eigenen Kinoverleih bekommen. Nun starten sie mit "Postal". Vivendi ist nicht schlecht, sie sind gut vernetzt. Am Anfang stieß ich zwar nicht auf große Unterstützung, aber zwei Leute von Vivendi fanden den Film so gut, dass sie ihn durchsetzten. Sie bereiten derzeit das Marketing und die Werbung vor.

Ricore: Mit wie viel Kopien werden Sie starten?

Boll: Mit circa 400 bis 500 Kopien. Cinemark und National Amusement wollen "Postal" auf keinen Fall. Es gibt die unterschiedlichsten Gründe, warum Europa immer wieder absagt. In den USA ist George W. Bush der Grund.

Ricore: Haben Sie neben Sony noch andere Majors angesprochen?

Boll: Eigentlich nicht, ich wurde mit Sony schnell einig. Aber man muss realistisch bleiben. Wenn man Independent-Produktionen herstellt - und man hat das Studio nicht von Anfang an dabei hat ist es sehr schwer, ein Studio-Pick-Up zu kriegen.

Ricore: Es war Ihnen also klar, dass es in Amerika schwierig werden würde? Hätten Sie Vivendi nicht gehabt, hätte es ja auch sein können, dass Sie gar keinen Verleiher finden.

Boll: Dann wäre ich zu Lionsgate gegangen, die wären wahrscheinlich noch interessiert gewesen. Aber der Film ist ohnehin nicht für ein bestimmtes Zielpublikum. Im Endeffekt ist er nur da, weil ich ihn machen wollte. Ich habe mir gedacht, den Film muss ich jetzt machen, und zwar so, wie ich es mir vorstelle. Es ist die einzige Videospielverfilmungen von mir, die in England in die Kinos kommt - wenn auch nur mit wenigen Kopien. Vorher haben die Engländer meine Filme nur auf Video verkauft. Diesen fanden sie aber gut. Ich glaube, "Postal" öffnet ein paar Türen. Türen zu anderen Käufern, die meine Filme vorher nicht wollten. "Postal" muss erstmal mit Mund-zu-Mund-Propaganda ohne große Ausgaben Fuß zu fassen.

Ricore: Der Film basiert auf einem Videospiel. Kann man trotzdem sagen, dass Sie sich die Geschichte zu "Postal" ein wenig von der Seele schrieben? Wieso haben Sie durch den Titel den Film mit dem Videospiel verbunden? Man hätte ihn auch anders nennen können.

Boll: Das hätte man, aber ich hatte die Rechte dazu. Einige Szenen habe ich von dem Videospiel übernommen. Beispielsweise hätte ich die Szene mit der Katze nicht einfach klauen können. Ich hätte eine saftige Klage bekommen. Ich habe mehrere Sachen vom Videospiel übernommen, die ich so nicht hätte machen können. Die Puppen beispielsweise. Ich hätte andere Puppe nehmen und diese anders benennen müssen. Von daher denke ich, es schadet nicht, dass es auf einem Videospiel basiert, man sollte es aber auch nicht überbetonen. Der durchschnittliche Zuschauer verbindet einen Film, der auf einem Videospiel basiert, oft mit einem Horrorfilm. Dann hätte man ein Problem, denn damit schließt man eine gewisse Zuschauerschaft aus.

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